Berlin : Der Tonangeber

James Last geht mit seiner Band auf Abschiedstour. Aufhören will er aber nicht

Daniela Martens

Manche Menschen werden niemals ganz erwachsen. James Last zum Beispiel. Der Musiker hat zwar inzwischen weiße Haare und viele Lachfalten. 78 ist er, das sieht man ihm durchaus an. Aber sobald er den Mund öffnet, verschwinden 60 bis 70 Jahre. Er sprüht vor kindlicher Begeisterung, wenn er über Musik spricht – wie vor kurzem im Hotel Concorde. Der Bandleader hatte zum Interview eingeladen – Werbung für sein Berlin-Konzert am 12. November.

40 Musiker aus aller Welt wird Last dirigieren. Als er davon erzählt, spricht er so schnell und aufgeregt, dass er manchmal über die Wörter stolpert. Sein sorgfältig getrimmter Schnauzbart bewegt sich mit. Der winzige Brillantstecker in seinem rechten Ohr funkelt. Als Rentner im Ruhestand kann man ihn sich nicht vorstellen. Muss man auch nicht, obwohl seine Tournee als Abschied beworben wird („The Last Tour“). „Es wird die letzte lange Tour. Die lohnen sich finanziell nicht mehr so richtig“, sagt Last. „Ich will aber noch lange auf der Bühne stehen.“ Sein Musikgeschmack ist auch nicht gerade der eines gesetzten älteren Herren: Der „Gentleman of music“ mag sogar Tokio Hotel und weiß stets, was in den Charts passiert. „Ich schaue immer nach vorne“, sagt Last, der von seinen Freunden „Hansi“ genannt wird – auch der Name ist nicht erwachsen geworden.

Ein bisschen hat er jetzt trotzdem nach hinten geblickt: Gerade ist seine Autobiografie „James Last. Mein Leben“ erschienen (Heyne Verlag, 20 Euro). Eigentlich habe er nie eine schreiben wollen, sagt Last. Doch dann lernte er zufällig den Autor Thomas Macho kennen. Der kannte alle Geschichten und sämtliche Musiker, die jemals mit Last gespielt hatten. „Da habe ich Backsteine gestaunt.“ Gemeinsam schrieben sie Lasts Lieblingsanekdoten auf. Wie diese: Bei einer Australien-Tournee stürmte seine Band aus Langeweile ein fremdes Hotelzimmer, räumte alle Möbel und Koffer vor die Hoteltür.

Wird die aktuelle Tournee auch so aufregend? Für Last bestimmt. Er freut sich besonders auf die „Berliner Schnauze“ seines Publikums im Velodrom. Nicht nur für sie will er ein Lied spielen, das ihm besonders am Herzen liegt: „Tapestry of Nations“. Es geht darum, dass Kinder überall auf der Welt dieselben sind. Wie Hansi eben.

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