Berlin : Der Toten gedenken, den Lebenden helfen

Krankenhäuser wollen Verletzte aus Beslan aufnehmen. Feuerwehrchef Broemme reist nach Moskau und berät russische Kollegen

Annette Kögel,Ingo Bach

Beslan ist weit weg – doch das Geiseldrama in der Schule im Süden Russlands bewegt auch die Menschen in Berlin. Die großen Krankenhäuser der Stadt haben jetzt angeboten, Verletzte zu behandeln. Wohlfahrtsverbände planen Spendenaktionen für die traumatisierten Kinder und Angehörige der Opfer. Landesbranddirektor Albrecht Broemme fliegt am 10. Oktober auf Einladung des russischen Katastrophenschutzministeriums nach Moskau. Berlins oberster Brandschützer und Katastrophenschutz-Experte reist als Vertreter der Feuerwehren in Deutschland.

„Der Besuch war schon länger geplant, aber natürlich werden die aktuellen Geschehnisse bei den Gesprächen eine große Rolle spielen“, sagte Broemme. Der Katastrophenschutz in Russland sei völlig anders organisiert als in Deutschland: „Dort arbeiten die Organisationen für Katastrophenschutz und Rettungsdienst parallel nebeneinander, statt wie bei uns zusammen“, sagte Broemme. Der Berliner Feuerwehrchef will in Moskau Empfehlungen geben, wie man von Erfahrungen aus Berlin in Russland profitieren kann.

Die Wohlfahrtsverbände in Berlin planen nun Hilfsaktionen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Johanniter wollen am Montag ein Konto einrichten, sagte Barbara John, die Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Mit dem Geld sollen Flüge, Behandlung, Operationen und psychologische Betreuung von schwer verletzten Opfern auch in Berliner Krankenhäusern finanziert werden. Möglicherweise soll die Schule an anderer Stelle wieder aufgebaut werden, auch dafür werde Geld gebraucht, sagte Frau John. Sie bot an, dass Verletzte in den Kliniken des Wohlfahrtsverbandes operiert und behandelt werden können.

Auch Chefs anderer Berliner Krankenhäuser erklärten sich gegenüber dem Tagesspiegel angesichts der erschreckenden Bilder aus Beslan zur sofortigen Hilfe bereit. So bot der Chef des landeseigenen Klinikkonzerns Vivantes, Wolfgang Schäfer, an, dort verletzte Kinder zu behandeln. „Das was geschehen ist, ist schrecklich. Wir haben eine Verpflichtung zur Solidarität.“ Man stehe bereits mit russischen Partnern in Kontakt. Vivantes, der mit neun Häusern größte Klinikkonzern in Berlin, verfügt zum Beispiel über Stationen der Unfall- und auch plastischen Chirurgie.

Auch das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn steht für die Verletzten aus Nordossetien offen. „Die Klinikleitung hat sich schon am Freitagabend zusammengesetzt und entschieden: Wir werden helfen“, sagt Walter Schaffartzik, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am UKB. Das Klinikum habe auch die entsprechenden Spezialabteilungen, etwa zur Behandlung von Brandverletzungen und für Eingriffe an der Hand. Auch Schuss- und Kriegsverletzte habe man schon behandelt, sagt Schaffartzik.

Ähnlich hilfsbereit zeigt sich die Charité. „Wir stehen selbstverständlich bereit, wenn wir um Unterstützung gebeten werden“, sagte Detlev Ganten, Vorstandschef des Universitätsklinikums. Ganten will auch mit dem Verein Gesundheitsstadt Berlin Kontakt aufnehmen, um eine koordinierte Hilfe von Berliner Kliniken zu organisieren.

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