Berlin : Der trügerische Pharao: Tutanchamun kommt nicht

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Die Veranstalter der großen TutanchamunAusstellung in Bonn machten gestern große Erwartungen in Berlin zunichte: Sie hätten sich keineswegs um eine Ausstellung im Palast der Republik beworben, betonte Sprecherin Maja Majer-Wallat. Das Gebäude sei, was die Sicherheit und das Klima betreffe, für derartige antike Schätze denkbar ungeeignet. Außerdem werde die Ausstellung, die in Bonn noch bis Mai läuft, anschließend in den USA gezeigt.

Hoffnungen hatte die Senatskulturverwaltung geweckt: In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der bündnisgrünen Abgeordneten Alice Ströver über mögliche Zwischennutzungen bis zum Abriss war auch von einer Tutanchamun-Ausstellung die Rede. Der Sprecher der Kulturverwaltung, Torsten Wöhlert, konnte gestern nicht sagen, welcher Veranstalter sich um eine Ausstellung beworben habe. Offenbar sollten nur Kopien gezeigt werden.

Adrienne Goehler aus dem Programmbeirat für den Palast sagte, das Pharaonenprojekt sei eine „Art Märchenpalast in der Preislage dieses merkwürdigen Terrakottakriegeraufgebots“ gewesen. Man habe das Projekt deshalb nicht weiter bewertet. Pharao Tutanchamun hat also wenig Chancen auf ein Gastspiel in Berlin. Vor bald 25 Jahren hatte er hier mit einer großen Ausstellung seiner Schätze Aufsehen erregt: Mit einer halben Million Besucher hatten die Veranstalter gerechnet, mehr als 650 000 kamen in rund 100 Tagen in die Charlottenburger Schloßstraße. Aufregung gab es damals, als sich während der Ausstellung Schäden an der vergoldeten Holzfigur der Göttin Selket zeigten. Bis heute hat sich der „Schaden von Berlin“ bei den Veranstaltern eingeprägt.

Über die weitere Zwischennutzung des Palastes will der Beirat Mitte Januar beraten. Vermutlich wird es Theateraufführungen und ein Udo-Lindenberg-Konzert geben. Aber noch ist nicht entschieden, wer für die nächsten Monate Generalmieter des Palastes wird.C. v. L.

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