Berlin : "Der Tunnel": Auch die Spione spielten Maulwurf

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Es war die aufwendigste CIA-Operation in West-Berlin - und für die Sowjets ein klug eingefädelter Propaganda-Coup: der Bau des Abhörtunnels von Neukölln nach Treptow 1954/55. Nicht nur die Fluchthelfer, auch die amtlichen Spione bedienten sich der Maulwurfmethoden, mussten aber nicht auf Laien in diesem Geschäft zurückgreifen, sondern setzten erfahrene Pioniere ein. Das Ziel der Aktion war ein Schacht, der von einer zur Tarnung verwendeten Radarstation zu einem von der Sowjetarmee zur Nachrichtenübermittlung verwendeten Erdkabel jenseits der Sektorengrenze führen sollte.

Was die Amerikaner nicht wussten: Der britische Agent Blake hatte das Projekt an die Sowjets verraten. Um ihn nicht auffliegen zu lassen, mussten die Bespitzelten ihre Gegner anfangs gewähren lassen. Kenner der Szene gehen mittlerweile davon aus, dass die Sowjets keine frisierten Informationen durch das Kabel geschickt haben, also der CIA durchaus in gewissem Sinne erfolgreich war. Erst Anfang 1956 ließen die Sowjets den Tunnel auffliegen. Die angebliche Radarstation stand noch Jahrzehnte herum.

Diese Episode aus dem Kalten Krieg bildete den Hintergrund zu dem Roman "Unschuldige" des Briten Ian McEwan (1990 bei Diogenes). Drei Jahre später hatte die Verfilmung John Schlesingers mit Isabella Rossellini, Anthony Hopkins und Campbell Scott Premiere. Der Film entstand weitgehend in Berlin, eine Szene aus der Zeit der Wiedervereinigung wurde beispielsweise im Foyer des damaligen Grandhotels in der Friedrichstraße gedreht. Zur Premierenparty baten die Briten - seinerzeit ebenfalls an dem Tunnel beteiligt - auf den Flugplatz Gatow. Im deutschen Verleih fand der Film damals den gewöhnungsbedürftigen Titel: "... und der Himmel steht still". Das Werk war denn auch kein großer Erfolg. Der Rest des Tunnels wurde vor wenigen Jahren wieder ausgebuddelt. Man findet ihn im Alliiertenmuseum.

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