Berlin : Der Umzug zum CSD passt zum Berliner Renommee

Constance Frey

Das Hotel Aldea in der Schöneberger Bülowstraße war zum Christopher Street Day ausgebucht. Das ist an sich nicht verwunderlich, wohl aber, wer da 2004 eingecheckt hatte: Eine Seniorengruppe aus Brandenburg war angereist, um vom Fenster aus die bunte Parade vorbeiziehen zu sehen. Für Robert Kastl, Mitorganisator des Umzugs, ist das ein Zeichen, dass der Christopher Street Day (CSD) nicht nur homosexuelles Publikum in die Stadt lockt. „Es gibt keine Berührungsängste mehr.“ Eine Umfrage hat ergeben, dass von den mehr als 500000 Teilnehmern immerhin 170000 extra nach Berlin gereist waren – von denen sich 38 Prozent als heterosexuell outeten. 39000 CSD-Besucher kamen aus dem Ausland, die meisten aus den Niederlanden, gefolgt von Großbritannien, Frankreich und den USA.

Der Billig-Flieger Easyjet verzeichnet für das kommende Wochenende deutlich mehr Buchungen als normalerweise im Juni. Nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbands lag die Auslastung der Berliner Hotels am CSD-Wochenende 2004 mit rund 70 Prozent deutlich über dem Junidurchschnitt. Dieses Jahr, schätzt Verbandspräsident Willy Weiland, könnten es wieder so viel werden. Das sei eine Steigerung, letztes Jahr fand zeitgleich ein Kongress in Berlin statt. „Nach der Absage der Love Parade ist das eine vernünftige Erneuerung. Der CSD passt zum trendigen Image Berlins, und das spricht sich herum.“

Seit 1999 wirbt die Berlin-Tourismus- Marketing-Gesellschaft gezielt im In- und Ausland für das Homo-Reiseziel Berlin. Sie hat eine spezielle Broschüre herausgebracht, vermarktet schwulen- und lesbenfreundliche Hotels und hat einen Internetauftritt für die Zielgruppe eingerichtet. Die BTM hat beobachtet, dass vor allem homosexuelle Touristen aus England und Italien sich mehr für Berlin interessieren. „Homosexuelle sind wesentlich mobiler und buchen vor allem Kurzreisen. Davon profitiert natürlich der CSD“, sagt Mitorganisator Robert Kastl.

2005 wurde zum ersten Mal für die „Pride Week“ getrommelt. So heißt das einwöchige Kulturfestival, das mit dem Motzstraßenfest begann und mit der CSD-Parade endet. Außer diesen beiden Großveranstaltungen haben der Regenbogenfonds als Veranstalter des Straßenfestes, die CSD-Macher und andere Partner ein tägliches Programm von Kinovorstellungen, Kulturveranstaltungen, Konzerten und Partys zusammengestellt. Die Veranstalter haben eine kostenlose Festivalkarte in Szenelokalen und -unternehmen verteilen lassen. Besitzer der „Pride Berlin Card“ bekommen bei den meisten Veranstaltungen Ermäßigungen. Gerhard Hoffmann, Sprecher des Regenbogenfonds, glaubt allerdings nicht, dass die Pride Week als Touristenmagnet die Love Parade ersetzen könnte. „Es gibt Schnittmengen, aber wir sind kein Ersatz.“

Mehr zum Thema im Internet unter

www.btm.de, www.csd-berlin.de, www.regenbogenfonds.de

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