Berlin : Der vergessene Professor

Warum CDU-Chef Christoph Stölzl den hohen akademischen Grad derzeit nicht führen darf

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Titel sind Schall und Rauch. Das findet neuerdings auch Christoph Stölzl, Landesvorsitzender der CDU, ExKultursenator und ehemaliger Hausherr im Deutschen Historischen Museum (DHM). „Am liebsten werde ich nur mit meinem bürgerlichen Namen angeredet“, sagt er, „das spart Zeit.“ Der Grund für seine Einsicht: In der Stadt wird spekuliert, Stölzl trage den Titel „Professor“ unberechtigt. Zum Universitäts-Professor ist er nie berufen worden. Er ist überrascht: „Aber ich bin doch Professor.“ Das ist jedoch nicht ganz korrekt. Denn Stölzl wurde vom Land Berlin zum „Generaldirektor und Professor“ gemacht, als er 1987 die Leitung des DHM übernommen hatte. 1999 legte er das Amt nieder, „die Stelle aber habe ich behalten“, sagt er. Auch das ist richtig, allerdings ist er in dieser Position seit 2001 im Ruhestand. Folglich müsste es richtig „Generaldirektor und Professor i.R.“ heißen. „Aber Titel kann man nicht in Ruhestand schicken“, sagt Stölzl.

Das ist Ansichtssache. Stölzl handelt offenbar anders – wie im aktuellen Handbuch des Abgeordnetenhauses nachzulesen ist. Den „Generaldirektor“ hat er in Rente geschickt, den „Professor“ nicht. Als „Prof. Dr. Christoph Stölzl“ ist er hier zu finden. Stölzl ist sich keiner Schuld bewusst: „Der Jörn Merkert ist doch sogar ein abgebrochener Student und nennt sich auch Professor.“ Ja, das tut der Leiter der Berlinischen Galerie, sogar im Telefonbuch. Aber im Gegensatz zu Stölzl ist Merkert noch im Amt. Es ist eine Besonderheit des Berliner Museumswesens, dass die Chefs „Professoren“ genannt werden. Stölzl erklärt, warum das so ist: „Das hat man gemacht, um Stellen in der eingemauerten Stadt attraktiver zu machen.“ Heute ist das anders. Das Land hat kein Geld, um so viele Professoren zu bezahlen. Folglich ist Stölzls Nachfolger Hans Ottomeyer zwar „Generaldirektor“, aber nicht „Professor“.

Vom Professoren-Titel hatte sich Stölzl schon einmal verabschiedet, als er Senator wurde. „Da wurde mir die erste Unterschriftenmappe vorgelegt, und es fehlte der Professor auf den Papieren.“ Er fragte nach. Und wurde belehrt. Nach dem Senatorengesetz ist nur ein Titel erlaubt. Da hat sich die Verwaltung auf den Doktor festgelegt. Promoviert ist Stölzl. Auf Berliner Gästelisten aber firmiert er bis heute als „Professor“. In seiner Zeit als Feuilletonchef der Zeitung „Die Welt“ war das genauso. „Mir ist das wurscht“, sagt Stölzl. „Was man darstellt, stellt man durch seinen Namen dar.“ Schon bald könnte Stölzl offiziell wieder mehr darstellen: Er hat einen Lehrauftrag der Hochschule Hanns Eisler. Vielleicht wird er ja bald „Honorarprofessor“. oew

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