Berlin : Der verordnete Durst

Ein guter Gärtner härtet seine Sommerblumen und Nutzpflanzen mit einem Trick ab: Er gießt in Maßen

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Das Klima verändert sich. Die Sonne brennt heißer, der Wind weht stärker. Das müssen auch Pflanzen ertragen. Es gilt dasselbe wie bei Menschen, findet Gartenmeisterin Sabine Berninger, 29, von der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten: Je verzärtelter ein Pflänzchen ist, desto anfälliger ist es auch. Also verordnet der brutale Gärtner: abhärten. Die einfachste Maßnahme klingt gemein, ist aber wirkungsvoll: Trockenstress.

Mit Wasser geizen. Profi-Gärtner lassen ihre Pflanzen gezielt dürsten. „Durchtrocknen lassen“, sagen sie. Die Pflanze lässt die Blätter und Blütenköpfchen hängen, der Wurzelballen mit der Erde ist trocken. „Wie lange? Da gibt es tatsächlich viel Spielraum“, sagt Sabine Berninger. „Manchmal sagen wir: gut, dass sie nicht jammern können.“ Dann erst bekommen die Ausgezehrten „einen Schluck“, den nimmt der Wurzelballen sofort auf. Der Effekt dieser Erziehung: Die Pflanze entwickelt stärkere Wurzeln, sie wird widerstandsfähiger, kommt mit Trockenheit besser zurecht, entwickelt einen stärkeren Blütenansatz. „Das funktioniert bei fast allen Sommerblumen“, sagt Sabine Berninger, „aber auch bei Nutzpflanzen wie Tomaten oder Gurken.“ Wenn Pflanzen über Mittag die Blätter hängen lassen, ist das übrigens normal. Das ist ihr Verdunstungsschutz.

Gießzeiten. Die goldene Regel stimmt für Balkon wie Garten: Am besten vormittags gießen, da ist die Sonne noch nicht so stark, dass Pflanzen verbrennen könnten – oder am Nachmittag, nicht später als 17 Uhr. Am Abend legt das Grün eine Ruhephase ein und nimmt Wasser nicht mehr gut auf. Am späten Sommerabend den Garten zu sprengen, ist also gar nicht so gut. „Das lockt auch Schnecken an, die kommen auf dem Wasserfilm besser voran“, sagt Sabine Berninger. Auch Pilzkrankheiten wie Mehltau und Grauschimmel lieben dauerhaft feuchtes Milieu.

Die beste Erde. Sie kommt weder vom Supermarkt noch vom Gartencenter. „Optimal ist nur eine Mischung aus Kompost, einem Anteil Torf, etwas Sand und ein wenig Langzeitdünger“, sagt Sabine Berninger. Nur die hält die Feuchtigkeit auch optimal. Susanne Leimstoll

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