Berlin : Der Viel-Harmoniker

Wolfgang Bühler wird heute beigesetzt

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Natürlich sah man ihn meistens in der Philharmonie; schließlich war Wolfgang Bühler lange Jahre der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der Philharmonie und noch länger ihr Mitglied. Wie viel er an diesem herausragenden Ort dieser Stadt mit Engagement, Dynamik und Humor bewirkt hat, haben ihm Sir Simon Rattle und seine Kollegen im Vorstand mit bewegten Worten bescheinigt. Aber der eher kleine, bescheidene Mann, der im Habitus durchaus das Verschmitzte seiner schwäbischen Herkunft spüren ließ, war auch sonst eine engagierte Gestalt in Wirtschaft und Gesellschaft dieser Stadt. Anfang der siebziger Jahre war Bühler nach Berlin gekommen, dem Ruf eines renommierten Versicherungsmaklers folgend. Seitdem habe er, wie er einmal sagte, in und mit dieser Stadt in ungebrochenem Stolz der Zugehörigkeit und in dankbaren Gefühlen für das gelebt, was er hier bewirken konnte. Natürlich war er, wie er vergnügt bekannte, ein alter Westberliner. Aber er war einer von der Sorte, die befand, dass alle Berliner aufgerufen seien, die neue Identität der Stadt seit dem Mauerfall nach innen und nach außen zu realisieren und zu vertreten. Wozu gehörte – da schlug die Nüchternheit seiner Herkunft durch – substanzlose Nostalgie über Bord zu werfen. Dieses Engagement setzte er auch im Ruhestand fort. Heute wird Wolfgang Bühler, der am 5.Januar im Alter von 74 Jahren gestorben, beigesetzt. Rdh.

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