Berlin : Der Vorhang bleibt geöffnet Land finanziert

das Musiktheater Atze.

Marie Rövekamp

Erleichterung klingt anders. „Was das für uns konkret heißt, wissen wir noch nicht“, sagt Tom Müller-Heuser, Sprecher des Musiktheaters Atze in Wedding. Nachdem das Bezirksamt Mitte im April den Mietvertrag gekündigt hatte, will nun das Land für die Kinderbühne sorgen. Da die Theaterleitung aber noch nichts in der Hand hat, bleibt man skeptisch – auch wenn Müller-Heuser schon froh ist, dass das Musiktheater erst einmal nicht schließen muss.

„Euphorisch bin ich erst, wenn ich den Beschluss schwarz auf weiß sehe“, sagt er. „Das lehrt mich meine Erfahrung von zehn Jahren.“ Bislang kam der Bezirk Mitte für die Immobilie samt Unterhaltskosten in Höhe von 450 000 Euro auf. Das Land Berlin unterstützte den Spielbetrieb mit jährlich 690 000 Euro finanziell. Ab 2015 soll nun das Land hingegen alle Kosten tragen, wie das Bezirksamt Mitte bestätigte.

Die vergangenen Monate waren hart für das Musiktheater, da die Leitung beispielsweise Probleme hatte, verbindliche Verträge mit Schauspielern zu schließen, die Stelle des Technischen Leiters neu zu besetzen oder langfristig eine Tournee zu planen. Nichts stand fest. Doch auch jetzt, wo die Zukunft der Kinderbühne scheinbar gesichert ist, machen sich die Mitarbeiter weiterhin Sorgen.

Der Sprecher glaubt nämlich nicht, dass die Entscheidung die Wettbewerbssituation des Atze-Theaters in Berlin verbessert. „Eine Millionen Euro für den Spielbetrieb würde uns im Vergleich zu anderen nicht schaden“, sagte er und bezog sich damit auf das Grips-Theater und das Theater an der Parkaue. Allerdings merkte er an, dass sein Haus im Vergleich zu den anderen Einrichtungen nur eine symbolische Miete von einem Euro zahlen müsse – und daran solle sich laut Sabine Bangert, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, auch in Zukunft nichts ändern: „Das könnte das Theater einfach nicht stemmen.“

In ihren Augen ist die Vereinbarung zwischen Bund und Land richtig – auch wenn sich der Senat lange dagegen gewehrt habe. „Andere Bezirke sind mit solchen Einrichtungen genauso finanziell überfordert. Nun wurde ein Präzedenzfall geschaffen.“ Marie Rövekamp

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