Berlin : Der Wahrheit auf der Spur

Katholische Messe zu Ehren von Papst Benedikt XVI.

Claudia Keller

Nach Händels „Messias“ gab es gestern kräftigen Beifall in der St. Hedwigs-Kathedrale. Die Chor- und Orchestergemeinschaft der Heilig-Geist-Gemeinde aus Charlottenburg hatte dem Pontifikalamt zum Jahrestag der Amtseinführung von Papst Benedikt XVI. mit Auszügen aus Mozarts „Spatzenmesse“ und Händels Meisterwerk einen so herrlich sonntäglich-feierlichen Rahmen verliehen, dass der Applaus von Herzen kam.

Die Heilige Messe stand unter einem Begriff, der nicht gerade zu den Modewörten gehört: die Wahrheit. Eigentlich sollte sich jeder Gottesdienst, der den Namen verdient, um Glaubenswahrheiten drehen. Aber ein Gottesdienst, der Papst Benedikt XVI. ehren will, muss das natürlich in ganz besonderem Maße tun. Denn die „Wahrheit des Glaubens“ ist der Kern seines Amtsverständnisses. Wer genau hinhörte, konnte gestern auch aus Händels und Mozarts Musik etwas von dieser Wahrheit heraushören.

Um zu demonstrieren, dass auch die Berliner Diaspora-Katholiken in der Einheit der Weltkirche leben, war zum Jahresgedächtnis der Amtseinführung Benedikts am 24. April 2005 extra Kardinal Friedrich Wetter aus München angereist und hielt die Predigt. Kardinal Wetter deshalb, weil er Kardinal Joseph Ratzinger als Münchner Erzbischof nachfolgte.

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ antwortete Jesus dem ungläubigen Thomas, der eine Woche nach dem Ostersonntag erst seine Finger in die Wunden des auferstandenen Jesus legen wollte, bevor er an die Auferstehung glauben konnte.

Papst Benedikt XVI. hat daraus sein Credo abgeleitet: Selig sind, die an die Existenz der Wahrheit glauben, in einer Zeit, die fast alles relativiert. Kardinal Wetter erinnerte daran, dass Joseph Ratzinger sich schon immer als „Diener der Wahrheit“ verstanden hat und nicht aufhört, die heutige Müdigkeit gegenüber der Wahrheit zu geißeln.

„Wahrheit ist das, was heute nicht so und morgen anders ist“, sagte Kardinal Wetter. In der heutigen Welt sei die Wahrheit fast verschwunden, weil die Menschen sie für zu groß erachteten. Deshalb werde sie als Intoleranz und als Bedrohung abgelehnt, anstatt in ihr eine Befreiung zu sehen.

Zur Wahrheit, der einzigen und allmächtigen, die Papst Benedikt meint, führt natürlich nur ein Weg: über den Glauben an Jesus Christus. Dass in Zukunft viele diesen Weg finden, da ist der Heilige Vater zuversichtlich. Kurz nach seiner Wahl zum Papst hatte er verkündet: „Die Kirche ist jung“. Allerdings nicht in der Hedwigs-Kathedrale. Hier füllte gestern überwiegend die Generation 55 plus die Bänke.

Der Papst ermutige uns, Zeugen der Wahrheit Gottes zu sein“, sagte der diplomatische Vertreter des Papstes in Deutschland, Nuntius Erwin Josef Ender am Ende der Messe. Zeugen der Wahrheit Gottes wird es in Zukunft vor allem in Afrika und Lateinamerika geben. Die wenigen Kinder, die in der Kathedrale zu sehen waren, hatten schwarze Hautfarbe.

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