Berlin : Der Weg zum Abitur wird etwas kürzer

NAME

Von Susanne Vieth-Entus

Die jahrelangen Debatten um die Reform des Abiturs will Bildungssenator Klaus Böger (SPD) jetzt offenbar auf einen Schlag beenden. Nach seiner gestrigen Ankündigung im Tagesspiegel, die Reifeprüfungen zu zentralisieren, steht nun auch die Entscheidung zur Schulzeitverkürzung an. Es gilt als ausgemacht, dass die Oberstufe um ein halbes Jahr verkürzt wird. Außerdem soll es künftig für mehr Schüler die Möglichkeit geben, ein Schuljahr zu überspringen. Die SPD-Fraktion stützt Bögers Vorhaben. Er will am Montag damit an die Öffentlichkeit gehen.

Bereits im Mai hatte ein Kreis von Bildungsfachleuten Böger geraten, auf eine generelle Verkürzung der Schulzeit um ein volles Jahr zu verzichten (wir berichteten). Begründet wurde dies mit Einwänden der Kultusminister, denn Berlin hat aufgrund seiner sechsjährigen Grundschulzeit eine andere Ausgangsbasis als die meisten anderen Bundesländer. Inzwischen ist auch die SPD-Fraktion davon überzeugt, dass Berlin sich damit begnügen sollte, die Abiturphase zu straffen. Dies wird bereits erfolgreich in Rheinland-Pfalz praktiziert und ermöglicht es den Studenten, ein Semester früher mit dem Studium zu beginnen.

Darüber hinaus legt Böger großen Wert darauf, dass das Überspringen einer Klasse erleichtert wird. Konkret bedeutet dies, dass möglichst viele Schüler nach dem 1. Halbjahr der 10. Klasse direkt mit dem 2. Halbjahr der 11. Klasse beginnen sollen. Die Einführungsphase in das Kurssystem entfällt. In diesem Zusammenhang soll die Oberstufe auch inhaltlich entrümpelt werden. Neue „Kerncurricula“ treten an die Stelle alter Lehrpläne. Die „Konzentration auf das Wesentliche“ ist für Böger wichtig. Die PDS zeigte sich gestern überrascht von Bögers Ankündigungen. „Wir sind vom Senator nicht informiert worden“, kritisierte die schulpolitische Fraktionssprecherin Sieglinde Schaub. Nicht zum ersten Mal gebe es dieses „Problem der Zusammenarbeit“. Schaub befürchtet ein Abitur „erster und zweiter Klasse, wenn zu viele Schüler springen“. Und sie sieht auch organisatorische Probleme, wenn „kollektiv“ gesprungen wird, wie es Böger laut Schaub vorschwebt.

Kritik gab es gestern aber auch an Bögers Plänen für ein Zentralabitur. „Der Vorschlag liegt völlig neben dem Problem“, schimpft GEW-Chef Ulrich Thöne. Er versteht nicht, warum Böger „jetzt so eine Debatte lostritt“, obwohl er ganz andere Dinge in Angriff nehmen müsse. So werde in Berlin immer noch viel zu viel „selektiert“ und zu wenige Schüler machten das Abitur. Zudem gebe es das große Problem des Sprachstands bei den Vorschülern. Hier sieht Thöne viel stärkeren Handlungsbedarf.

Elmar Kampmann von der Spandauer Martin-Buber-Gesamtschule sieht in der Einführung des Zentralabiturs eine „Nagelprobe“ für die Gesamtschulen, denn ihre Schüler müssen dann dieselben Aufgaben lösen wie die Abiturienten der Gymnasien. Er selbst betont, dass er angesichts seiner Schülerzusamensetzung „keine Angst“ vor diesem Vergleich habe. Er sieht aber „größere Schwierigkeiten“ auf andere Gesamtschulen zukommen. Generell begrüßt er, dass die zentralen Prüfungsaufgaben für die Lehrer eine „unendliche Arbeitserleichterung“ bedeuten. Einzelheiten zu seinen Reformplänen und zur konkreten Ausgestaltung des Zentralabiturs will Böger am Montag mitteilen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben