Berlin : Der Wein des Monats

Bernd Matthies

Der Südwesten Frankreichs galt lange Jahre als Wein-Armenhaus. Dort entstanden dünne, raue Weine aus Riesen-Erträgen, von der Sonne zerglüht und für die ausschließliche Nutzung in den Bistros der Region oder den Billigweinläden Europas - sofern sie nicht gleich den EU-Überschuss an Industriealkohol mehrten. Die Appellationen Coteaux de Languedoc oder Cotes de Roussillon beispielsweise lieferten kaum etwas anderes als das Gegenstück zum einst populären, inzwischen praktisch vergessenen Elsässer Edelzwicker. Seit etwa der Mitte der 90er Jahre hat sich dieses Bild grundlegend verändert. Ähnlich wie im klimatisch wie geistig verwandten spanischen Norden haben sich jungen Winzer über die Ländereien ihrer Väter hergemacht, haben neue Technik installiert und von den Erfahrungen der heißen Weinländer gelernt. Da der Überdruss am immer gleichen Cabernet Sauvignon gleichzeitig das Interesse an anderen, überwiegend nur regional vorkommenden Rebsorten weckte, war der Markterfolg praktisch unausweichlich: Marsanne, Mourvédre, Rousanne, Syrah, Carignan, Cinsault und viele andere bieten ein weites Aromenspektrum für neugierige Genießer.

Cotes de Roussillon, das Gebiet zwischen Perpignan, dem Mittelmeer und den Pyrenäen-Ausläufern, spielt dabei eine wichtige Rolle. Bekannte Domänen wie Cazes oder Força-Réal geben den Ton an, aber auch Sarda-Malet, der Familienbesitz des früh verstorbenen Max Malet, gewinnt zunehmende Bedeutung. Suzy Malet, geborene Sarda, führt das 48 Hektar große Gut zusammen mit ihrem Sohn Jérome. Neben den traditionellen, aufgespriteten Süßweinen der Appellation Rivesaltes, die für den Export keine Bedeutung haben, konzentrieren sie sich ganz auf die Produktion dichter, ausdrucksstarker Roter, die ihre Qualität vor allem aus stark reduzierten Erträgen gewinnen. Unser Weine des Monats, der 1997er Terroir Mailloles von Sarda-Malet, ist das Renommierprodukt der Domäne, eine Cuvée aus 50 Prozent Syrah und 50 Prozent Mourvèdre (Maximalertrag 25 hl/ha), die 19 Monate in neuen Holzfässern lag und in dieser Zeit zu einen komplexen Spitzenwein reifte, nicht zu verwechseln mit irgendeinem Klassiker und doch von einer Qualität, die sich sofort erschließt und den Preis von 34,50 Mark als sehr günstig erscheinen lässt. Zu haben ist dieser Wein bei Gérard Degouy im La Cave de Bacchus in der Westfälischen Straße 33 in Wilmersdorf.

Der Wein zeigt in der Nase die typischen Syrah-Noten nach Zimt, Nelken, Kräutern und Leder, dazu ausladende Fruchttöne, die an dunkles Beerenobst, Kirschen und Backpflaumen erinnern. Die volle Fruchtsüße bestimmt auch den Geschmack, der von einer eleganten, gut eingebundenen Holznote abgerundet wird und in einen fast endlosen Nachhall mündet. Dennoch hat der Wein nicht den "gemachten", auf extremes Konzentrat getrimmten Stil vieler neuer Spanier, sondern bleibt elegant und ist dank weicher Tannine trinkfertig; einige Jahre Lagerung werden dennoch eine Dimension hinzufügen. Zur Weihnachtsgans wäre er nicht übel gewesen, aber auch im Januar passt er perfekt zu Rind oder Wild in dunklen, würzigen Saucen, vor allem, wenn darin südliche Kräuter, Rosmarin, Thymian, den Ton angeben.

Für alle Weinfreunde, die sich nicht auf das gehobene Preisniveau dieses Weines wagen wollen oder können, hat Gerard Degouy übrigens eine günstige Alternative vom selben Gut am Lager: Die schlichte 97er Reserve von Sarda-Malet zeigt ähnlichen Charakter und höchst beachtliche Qualität bei einem Preis von 18,50 Mark.

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