Berlin : Der Wind verhinderte Schlimmeres - nur zwei Mal wurde der Ozon-Warnwert überschritten

gih

In Sachen Sommersmog ist Berlin in diesem Sommer besser weggekommen, als man es von der sonnenreichen Witterung her hätte befürchten müssen. Der Warnwert von 180 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft wurde hier nur zwei Mal überschritten, in Baden-Württemberg geschah dies 18 Mal. Ursache dafür ist nach Einschätzung von Klaus Kutzner, Luftgüte-Fachmann der Berliner Umweltverwaltung, zum einen der Wind, der häufiger aus östlichen Richtungen wehte und nicht allzu stark vorbelastet war. Zum anderen wirke sich die technische Entwicklung aus, die zu einer Verringerung der Vorläufer-Stoffe führt.

Ozon entsteht aus Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden unter Einwirkung von Sonnenlicht (UV-Strahlung). Diese stammen aus Autos, Lastwagen, Motorrädern bis hin zu Rasenmähern. Aber auch Lösungsmittel von Lacken verdunsten, auch dies sind Kohlenwasserstoffe. Bei den Autos hat sich technisch schon viel getan, bei den anderen Schadstoffquellen noch nicht so viel.

Seit langem gibt es bereits einen Zielwert für die Ozonkonzentration, der bei 120 Mikrogramm je Kubikmeter liegt. Der Verein Deutscher Ingenieure setzte ihn als Maximale Immissions-Konzentration (MIK-Wert) für Betriebsstätten an, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt ihn ebenfalls als Ziel, von dem wir freilich noch weit entfernt sind. Nach geltendem Ozon-Gesetz wird die Bevölkerung ab 180 Mikrogramm gewarnt. Und obschon mittlerweile die Zahl der Überschreitungen dieses Werts deutlich sinkt, bleibt die mittlere Belastung immer noch relativ hoch.

Nun läuft das bisherige Ozongesetz (seit 1996 in Kraft) zum Jahresende aus, ein neues, voraussichtlich verschärftes Gesetz auch mit Tempolimits steht zur Debatte. Greenpeace forderte am Mittwoch unter anderem darüber hinaus zweistufige Fahrverbote: ab 120 Mikrogramm sollen Autos ohne Kat stehen bleiben, ab 180 Mikrogramm auch jene mit Kats der ersten Jahre. Die Wirkung des Ozons auf den Menschen ist noch in der Diskussion, Untersuchungen in Krankenhäusern in fünf europäischen Städten haben laut Greenpeace ergeben, dass die Zahl der Notfallpatienten mit akuten Atemwegserkrankungen bei steigender Ozonkonzentration zunimmt.

Ob das Ozon der wirkliche Auslösefaktor war, ist offen, es gibt auch Studien, die keinen klinischen Zusammenhang ermitteln konnten, sagen Fachleute. Aus Untersuchungen, in denen Freiwillige Ozon und Allergene einatmeten, weiß man, dass die Allergen-Empfindlichkeit gesteigert werden kann. Ob dieser Mechanismus aber in der Umwelt auftritt und auch tatsächlich eine Erklärung für den Zusammenhang darstellt, ist nach wie vor fraglich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben