Berlin : Der Winter macht ernst

Auch diese Woche bleiben die Temperaturen eisig Obdachloser starb, weil er sich aufwärmen wollte.

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Dauerparker. Fahrradfahrern macht der Winter es besonders schwer. Zum eisigen Fahrtwind kommt nun auch noch Schnee. Und das soll erst mal so bleiben. Foto: AFP
Dauerparker. Fahrradfahrern macht der Winter es besonders schwer. Zum eisigen Fahrtwind kommt nun auch noch Schnee. Und das soll...Foto: AFP

Das Thermometer stand auf etwa minus 17 Grad. Der Obdachlose entzündete sich Kerzen oder einen kleinen Ofen in der Baracke in Wedding, um sich zu wärmen. Was dann passierte, wird sich vermutlich nie exakt klären lassen. Gegen zwei Uhr alarmierte der Wachschutz der MaxSchmeling-Halle die Feuerwehr; auf der anderen Seite des Mauerparks war der Schuppen in Flammen aufgegangen. Die Baracke war schnell gelöscht, doch drinnen fanden die Helfer einen Mann, daneben seinen Hund, beide bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Die Leiche des Mannes kam zur Gerichtsmedizin, ob seine Identität geklärt werden kann, ist offen. Der Schuppen auf dem Gelände eines früheren Güterbahnhofs soll schon früher von Obdachlosen als Unterschlupf genutzt worden sein, hieß es.

Wie berichtet, sind die Notunterkünfte der Stadtmission wegen der Kälte seit Tagen überfüllt. Andererseits werden nach Angaben der BVG die drei nachts geöffneten U-Bahnhöfe kaum genutzt. Fachleute sagen, dass viele Obdachlose die Bahnhöfe trotz der dort angenehmen Temperaturen meiden, weil sie Angst vor Überfällen haben und lieber alleine sein wollen. Bei Temperaturen unter zwei Grad sind seit Jahren die Bahnhöfe Schillingstraße (U5), Südstern (U7) und Hansaplatz (U9) während der Betriebspause geöffnet. Im besonders langen und harten Winter 2009/10 waren in Berlin nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Obdachlosenhilfe mindestens drei Menschen in Berlin erfroren. 11 000 Personen gelten in Berlin als wohnungslos. Für diese Wohnsitzlosen Berlins wird auch die kommende Woche hart. Denn die Meteorologen versprechen keine Wetterbesserung.  Die Nacht zu Montag sollte ähnlich kalt werden wie die vorherigen. In der Nacht zu Sonnabend waren es am Müggelsee minus 18, in der Nacht zu Sonntag minus 17 Grad. Während die Temperaturen am Sonnabend bei strahlender Sonne tagsüber auf minus sechs Grad stiegen, blieben sie am Sonntag auch tagsüber im zweistelligen Minusbereich. Auch am heutigen Montag soll es – dann allerdings mit Sonnenschein – schneidend kalt bleiben bei tagsüber minus elf Grad.

Viel wärmer wird es wohl auch in der laufenden Woche nicht, aber immerhin nicht mehr eisiger. Für tagsüber sagen die Meteorologen ab Dienstag bis zum Wochenende minus sechs Grad voraus, nachts etwa minus zehn Grad. Die Bewölkung soll zunehmen, Schnee nur wenig fallen. Schon seit etwa zehn Tagen hat das Thermometer nicht mehr die NullGrad-Markierung erreicht.

Das immerhin hat die Eisdecke auf den Seen dicker werden lassen. Dennoch gilt auf Fließgewässern weiter größte Vorsicht. So ist die Spree, abhängig von Wind und Strömung, zum Teil noch völlig eisfrei. Noch ist niemand eingebrochen, die Wasserschutzpolizei verzeichnete keine Einsätze. Und auch sonst habe es wegen der Kälte kaum Alarm gegeben. In Reinickendorf zeigte sich eine Streifenwagenbesatzung als Helfer und fuhr einen stark angetrunkenen, mit Strickjacke nicht warm genug angezogenen Mann nach Hause. Ein Anwohner hatte ihn gesehen und aus Sorge die Polizei geholt. Als die Beamten die Tür aufschließen wollten und der Schlüssel nicht passte, wurde der Mann wütend und schlug um sich. In die Rubrik Wetter passt am ehesten eine knappe Meldung der Brandenburger Polizei vom Sonntag: „Drei Keller aufgebrochen und Kohlen gestohlen.“ Jörn Hasselmann

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