Berlin : „Der Wowi-Bär, so schön kuschelig“

Die Berliner SPD lud zum Sommerfest am Rathaus Schöneberg – und Parteichef Kurt Beck machte gut Wetter für den Regierenden

Ulrich Zawatka-Gerlach

Bratwurst und Chicken Curry, Arbeiterwohlfahrt und fair gehandelter Kaffee, Hüpfkissen und Karussell – auch das ist die SPD. Im Rudolph-Wilde-Park hinter dem Rathaus Schöneberg, am sonnigen Sonnabend ein guter Ort für den Wahlkampfauftakt, läutet um zwölf Uhr die Freiheitsglocke, und eine Stunde später trommeln die Samba Kids: für Kurt Beck und Klaus Wowereit. Der SPD-Bundesvorsitzende und der Spitzenkandidat stehen auf der Bühne und erzählen, warum man am 17. September bei der Wahl in Berlin die Sozialdemokraten wählen soll.

Etwa 500 Menschen, die meisten wohl Parteimitglieder, stehen auf der Carl-Zuckmayer-Brücke, trinken Bier und Apfelschorle oder essen Eis, denn es ist warm, und hören nebenbei zu. „Viele Wähler sind noch unentschlossen“, sagt Wowereit. „Vieles ist noch zu tun“, meint er dann. Trotzdem ist der SPD-Landeschef Michael Müller, der auch auf der Bühne stehen darf, davon überzeugt, „dass wir ein gutes Ergebnis erzielen werden“. Beck ist sehr angetan von dem, „was in Berlin geleistet wurde aus einer schwierigen Lage heraus“. Klaus Wowereit und Berlin – das passe zusammen. Das finden die Zuhörer offenbar auch, denn sie klatschen begeistert.

Reden werden nicht gehalten. Es wird eine kurze Talkshow inszeniert, mit Fragen zur kostenlosen Kitabetreuung, zu den Wahlzielen der SPD, zum kommunalen Wahlrecht ab 16, das Kurt Beck „sehr interessant und mutig“ findet. Wowereit offenbart anschließend, „dass es auch mal Spaß macht, als Politiker gelobt zu werden“ und er versichert, dass er sich seine Haare nicht färbt. Denn auf den Wahlplakaten hat er fast schon einen weißen Schopf, das brachte ihn ins Gerede. Anschließend verrät der Talk-Moderator, dass der „Wowi-Bär“, ein Plüschtier im Fußballtrikot, reißenden Absatz finde. Der sei so schön kuschelig, schwärmt Wowereit. Dazu fällt auch Beck etwas ein: „Die Berliner lieben ihre Bären, die Bayern erschießen sie, das ist der Unterschied.“

Als die Talkrunde vorbei ist, zieht es den Gast aus Rheinland-Pfalz mit aller Macht an den Stand mit dem Schild: „Oppenheimer Weinpräsentation mit Klaus Wowereit“. Beck zieht den Regierenden Bürgermeister mit, sie trinken einen Weißen, „gut gekühlt, das ist wichtig“, sagt Beck. Darüber muss er den SPD-Spitzenkandidaten nicht belehren. „Zum Wohl!“

Dann werden Autogramme verteilt und Interviews geführt und Fotos gemacht. Ein kleiner Mann im dunklen Anzug will unbedingt mit dem Parteichef abgelichtet werden. Es ist der südkoreanische Minister für Wiedervereinigung, wie sich herausstellt. Um 14 Uhr muss Beck weg, nach Bremen, er ist auf Deutschland-Tour. Wowereit tingelt noch über das Fest, das Gespräch mit den Bürgern suchend, damit sie SPD wählen gehen.

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