Berlin : Der Zahn der Zeit ist raus

Das 211 Jahre alte Berliner Wahrzeichen sieht nach der Sanierung aus wie bei seiner Einweihung

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Zwei Jahre lang war das Brandenburger Tor hinter Baugerüsten und Werbeplanen verborgen. Am 3. Oktober fällt der Vorhang endgültig. Was darunter zum Vorschein kommen wird, sieht blendend aus: Die dorischen Säulen des 211 Jahre alten Stadttores von Carl Gotthard Langhans scheinen eben erst aus dem Steinbruch geschlagen worden zu sein, auch die Schmuckreliefs wirken wie neu. Der Putz an Flügelbauten und Durchfahrten leuchtet in frischem Ocker, der Boden ist neu gepflastert. Das Tor glänzt wie im Werbeprospekt.

Bis zu 80 Steinmetze und Restaurateure haben in 56 900 Arbeitsstunden 1400 Steine ausgewechselt, 18 000 Einschüsse geflickt und acht Kilometer Fugen erneuert. Vorher habe das Tor „schwarz und trostlos“ ausgesehen, sagt Michael Pauseback, Kunsthistoriker und Chef der Sanierungsfirma Caro. Regen war in das Bauwerk gesickert, seine Fundamente erwiesen sich als brüchig. Großen Sanierungsbedarf hatte der Senat anfangs jedoch nicht gesehen, schließlich waren die letzten Arbeiten erst zehn Jahre her. Dem neuen Anlauf stimmte er dennoch zu – mit der Aussicht auf ein Schnäppchen: Das Geld organisierte die private Stiftung Denkmalschutz bei Sponsoren. Das Gros zahlte die Telekom, die dafür 19 verschiedene Riesenposter anbringen durfte – mal mit Paulchen Panther, mal mit Osterhasen oder Herzen.

Die neun Etagen hohe High-Tech-Baustelle selbst blieb der Öffentlichkeit ebenso verborgen wie das Gerüst aus 4000 Quadratmetern Aluminiumplatten und Kilometer langen Rohren, in dem sogar Bürocontainer, Aufzüge und Materiallager Platz hatten.

Die Arbeiten selbst seien „ganz konservativ“ verlaufen, erzählt Pauseback. In den ersten Wochen wurden die Schäden erfasst, dann die Sandsteinoberflächen mit „Mikrotrockenstrahlern“ gereinigt, die den Stein mit einem Pulver beschießen. Dem gröbsten Schmutz rückten die Arbeiter mit einem neuen, teuren Laserverfahren zu Leibe.

Bis in die Innereien des Tores drangen die Restauratoren vor, in die „Soldatenkammern“ zum Beispiel, drei Räumen im Toraufbau. Große Geheimnisse seien nicht zum Vorschein gekommen. Seinen aufregendsten Moment erlebte Pauseback, als eine marode Trommel aus „Säule-West-Drei“ entnommen und ersetzt wurde. Dafür musste das Tor aufwändig abgestützt werden.

Die Enthüllung am Donnerstagabend wird ein Spektakel. Tausende Menschen können zusehen, wie Actionspezialist Willy Bogner sich von einem Heißluftballon abseilt, einen riesigen Reißverschluss öffnet und die letzte Verhüllung wie einen Rock zu Boden gleiten lässt. „Ich weiß nicht, ob ich mir das anschaue“, sagt Michael Pauseback. In Gedanken ist er schon bei seinem nächsten Projekt: Der Sanierung des Rathauses von Rotterdam. Tobias Arbinger

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