Berlin : Der Zauberer und das Feuer

Christopher Lee und der Frieden

Elisabeth Binder

Seine Jugend hat Christopher Lee, 81, im Zweiten Weltkrieg verbracht, von 1941 an bei der britischen Luftwaffe. Krieg und Grausamkeit kennt er ungefiltert in allen Abarten. „Danach kann einen nichts mehr überraschen.“ Filme über den zweiten Weltkrieg machen ihn manchmal ungeduldig, „denn die jungen Schauspieler wissen nichts darüber“. Seitdem sei die Welt allerdings schlimmer geworden: „Heute sitzt der Feind in der Finsternis.“ Die ausufernde Gier nach Geld sei außerdem eine der größten Bedrohungen des Friedens.

Der als „Dracula“ und Zauberer Saruman aus „Herr der Ringe“ berühmt gewordene Schauspieler sieht sich nicht unbedingt als Pazifist, weil er im Notfall für sein Land kämpfen würde. „Peace lover“ hält er für das bessere Wort. Als er die World Peace Flame entzündete, hat er Beethovens „Ode an die Freude“ laut mitgesungen, denn „die Musik dieses Komponisten kommt für mich direkt von Gott“. Die Flamme ist für ihn „ein Symbol der Hoffnung. Feuer soll auch reinigen und nicht nur zerstören“. Religiös ist er aber nicht: „Nicht mehr.“ Die Kirchen gäben einfach nicht ausreichend gute Beispiele. Es stört ihn vieles an der heutigen Gesellschaft. Dass die Polizei oft keine wirkliche Handhabe gegen Verbrecher hat. Dass Lehrer Schüler, auch wenn die sich furchtbar benehmen, nicht mal anfassen dürfen. Er habe seiner Tochter immer mal einen Klaps gegeben früher. So etwas sei einfach nötig für die Disziplin. Und heute ist er sehr glücklich mit ihr, weil sie „niemals in schlechte Gesellschaft geraten ist“. Der Zusammenbruch von Disziplin verursache viel Schlechtes, sei verursacht auch durch einen Begriff, mit dem er nichts anfangen kann: politische Korrektheit.

Seit zwei Jahren reist Christopher Lee für Unicef herum. „Es gibt auf der Welt nichts Wichtigeres als Frieden“, glaubt er. „Aber Frieden muss tief aus dem Herzen heraus kommen.“ Jeder tut dafür, so viel er eben kann. „Künstler können darüber sprechen. Und wir tun es.“

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