Berlin : Der Zeitmesser

Olaf Nozon ist einer der Planer für den neuen BBI-Terminal. Aus den Fehlern auf anderen Flughäfen will er lernen – für Berlin

Klaus Kurpjuweit

Wenn er mitkriegt, dass auf irgendwelchen Flughäfen in der Welt etwas nicht funktioniert, freut sich Olaf Nozon. Flugs notiert sich der 45-Jährige etwa, wie lange die Passagiere an der Sicherheitskontrolle warten müssen. Oder am Gepäckband. Er registriert alles – wo immer es klemmt. Das ist keine Schadenfreude, der Mann sammelt Erfahrungen – für Berlin. In seinem Gebäude soll es keine langen Wartezeiten geben.

Nozon ist einer der sechs Projektleiter für den Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) und zuständig für den Terminalbau. Ein gewaltiger Brocken. Wer kann schon einmal in seinem Leben ein neues Abfertigungsgebäude für einen Flughafen mitplanen? Doch Olaf Nozon ist gelassen. „Schlaflose Nächte habe ich nicht“, sagt er. Dabei wirkt er so entspannt, dass man es ihm sofort glaubt.

Den Ablauf auf einem Flughafen kennt er seit rund 15 Jahren aus der Warte des Planers. Damals kam er zum Flughafen Schönefeld – als Architekt. Und durfte gleich loslegen. Aus dem ostalgischen Flughafen solle ein heller, freundlicher Terminal werden, lautete die Aufgabe. Nozon meisterte sie ebenso wie später den Bau der Fluggastbrücken, die es vorher nicht gab, oder die Einrichtung des neuen Sicherheitsterminals, in dem heute die El-Al-Maschinen abgefertigt werden.

Studiert hat Olaf Nozon in Weimar. Schon damals hatte er eine besondere Beziehung zu Schönefeld: Sein Diplomthema war der Bau eines neuen Kontrollturmes dort. Der Tower nach seinen Plänen wurde nie verwirklicht, dafür darf Nozon jetzt das komplette Abfertigungsgebäude mit entwerfen.

„Wir planen für die Kunden“, sagt er. Die Kunden, Fluggesellschaften und Passagiere, sollen zufrieden sein, wenn sie vom neuen BBI abfliegen oder dort ankommen. Einen Luxusbau werde es nicht geben, sagt der Architekt. Die Kosten seien gedeckelt. Wenn es Mehrausgaben gibt, muss woanders gespart werden.

Neue Vorschriften der EU für den Sicherheitsbereich führten bereits in der Planungsphase des Flughafens zu großen Änderungen. Auch der Erfolg der Billigflug-Gesellschaften, die ihre Passagiere zu Fuß zu den Flugzeugen gehen lassen wollen, änderten den Terminalentwurf. Und vorgesorgt hat man auch: Wenn eines Tages das größte Flugzeug der Welt, der Airbus A 380, regelmäßig nach Schönefeld kommt, kann das Gebäude dafür schnell – und außerdem kostengünstig, wie Nozon betont – angepasst werden.

Die Befürchtung einiger Gesellschaften, der Neubau führe zu enormen Gebührensteigerungen, versteht Nozon nicht. „Wir haben die Betriebskosten optimiert“, sagt er. Der BBI werde ein sehr wirtschaftlicher Flughafen.

Deshalb zum Beispiel ist der neue Terminal von Tageslicht durchflutet, obwohl der Glasanteil im Verhältnis zum gesamten Bauvolumen gering ist. Kunstlicht erfordert Energie – da will man sparen. „Hier ist unsere ganze Kunst gefragt“, sagt Olaf Nozon und lächelt selbstbewusst. Auch woanders haben sich die Planer Ungewöhnliches einfallen lassen. So wollen sie im Sommer Kälte und im Winter Wärme aus der Erde gewinnen. Sogar die Wärme, die Menschen abgeben, soll für die Energiegewinnung im Terminal genutzt werden.

Dass sein Name nicht mit dem Flughafenbau verbunden sein wird, stört Nozon nicht. Die Gesamtplanung haben die Architekturbüros gmp (Gerkan, Marg und Partner) sowie JSK und die Gebäudetechnikplaner IGK-IGR übernommen. Nozon ist zufrieden, wenn am Ende kein Fluggast dasteht und die Zeit misst, weil das Warten zu lange dauert.

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