Berlin : Der Zeremonienmeister

Michael Matz kommandiert das Wachbataillon, das erst Schröder und nun Struck verabschiedet

Jörn Hasselmann

Millionen kennen sein Gesicht – und vor allem seinen Stahlhelm. Etwa acht Millionen TV-Zuschauer hatten den Zapfenstreich für Gerhard Schröder in Hannover gesehen, vier Millionen waren es beim Zapfenstreich vor dem Reichstag zum Bundeswehr-Geburtstag vor vier Wochen. Am heutigen Mittwoch kommandiert Oberstleutnant Michael Matz erneut diese höchste Ehrerweisung, die die Bundeswehr nur Bundespräsidenten, Kanzlern, Verteidigungsministern und hohen Generälen zum Abschied aufführt. Knapp 20 Zapfenstreiche hat Matz in dem einen Jahr als Kommandeur des Wachbataillons geleitet, auch das heutige sei ein Besonderes. „Denn man sieht die Rührung, auch der Kanzler hatte feuchte Augen.“

Versprechen darf sich der Oberstleutnant bei dem Zeremoniell nicht, und die Stimme darf auch nicht versagen. „Es klappt nur das, was geübt wurde“, diese militärische Weisheit gilt insbesondere für den aus 48 Kommandos bestehenden Zapfenstreich, eine Jahrhundertealte militärische Tradition. „Andere lernen Gedichte, ich habe Kommandos gelernt“, sagt der 46-Jährige. Gegen die größte anzunehmende Panne – Heiserkeit – trinkt der gebürtige Schleswig-Holsteiner schon am Tag zuvor viel Tee, für den Notfall gibt es Halspastillen. Seit 1979 ist Matz bei der Bundeswehr, zunächst bei einem Jägerbataillon in Norddeutschland. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften war Matz unter anderen in den USA zur Ausbildung.

„Das wird heute ein schwerer Gang für Struck“, sagt Matz, denn wie kaum ein anderer Verteidigungsminister zuvor hatte er ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu seinen Soldaten. Und die Musikstücke, die sich der Minister zum Abschied ausgesucht hat, sind keine Lieblingslieder des künftigen Privatiers Struck, so wie „My Way“ für Schröder in Hannover. Nein, Struck erweist seinen Soldaten eine letzte Reverenz, und zwar jeder Teilstreitkraft eine eigene: Den „Fliegermarsch“ lässt er für die Luftwaffe spielen, „Gruß an Kiel“ für die Marine und „Wann wir schreiten Seit’ an Seit’“ fürs Heer.

Matz ist in dem einen Jahr als Kommandeur des Wachbataillons mit vielen Großen der Welt geschritten. Er war erst sechs Tage zurück aus dem Kosovoeinsatz und neu in Berlin, als er im vergangenen November die Queen mit militärischen Ehren begrüßen musste. „Sie hat ganz dezent anschließend genickt“, berichtet Matz. US-Präsident Bush habe sich mit einem knappen „Thank you, Sir – very impressiv“, nach dem Empfang in Mainz bedankt. Das doppelseitige Foto aus dem Focus-Magazin mit Schröder, Bush und Matz in der Mitte hängt jetzt gerahmt im Büro des Oberstleutnant in der Julius-Leber-Kaserne. Dicht daneben das Motto des Wachbataillons: „Semper talis“ („Immer gleich gut“). Auch wenn heute Abend keine Fernsehkameras dabei sind, für Struck wird man sich ganz besonders bemühen.

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