Berlin : Der Zoo lud Dauerkarten- und Aktienbesitzer zu einer romantischen Nacht

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Tiere sind Gewohnheitstiere, vor allem im Zoo. Ochs, Esel und der Panda Bao Bao wissen, dass sie abends ab 18 Uhr mit ihren Pflegern alleine sind im Zoologischen Garten. Das war am Freitag abend gänzlich anders. Nachdem die "normalen" Besucher raus waren, strömten durchs Elefantentor Tausende neue hinein. Der Zoo hatte erstmals alle seine Dauerkarten- und Aktienbesitzer eingeladen, zu einer romantischen Nacht. "Ob die Tiere das gut finden, weiß ich nicht", räumte Zoo-Direktor Hans Frädrich ein, "aber nun müssen sie für ihr Geld was tun". Das mit dem Geld stimmt zwar nicht ganz, die Robben bekamen weiterhin nur Matjes und der Panda Grünfutter.

Was Hans Frädrich dann an der Robbenplansche sagte, war schlicht "danke". Denn auf die 15 000 Berliner, die als Aktien-Eigner oder mit einer Jahreskarte freien Eintritt haben, ist Verlass, auf das Land Berlin leider in diesem Falle nicht. Das habe in vier Jahren den Zuschuss um 36 Prozent gekürzt. Diesen Verlust aber hätten die Aktionäre wettgemacht. Und die nutzten die Stunde, um "ihrem" Tier auch abends einmal guten Tag zu sagen. Eine Wilmersdorferin musste sogar trösten, schließlich war "ihr" Schimpanse gerade von einem Artgenossen gebissen worden. Wie so viele kommt auch diese Besucherin jeden Tag in den Zoo, und das Affenhaus ist für die meisten da Pflichtstation. Eine Rentnerin gab zu, dass die Geburt des Gorillas Dufte der auslösende Moment war, wieder täglich zu kommen. Das war im Jahr 1974.

Und obwohl die innere Uhr von Dufte und Co. längst Schlafenszeit meldete, brach hinter Gittern keine Revolution aus. Vielleicht merkten die Tiere, dass diese Besucher ihnen wohlgesinnt sind. Und vielleicht werden auch sie bald zu Gewohnheitstieren, denn Frädrich versprach, den "Abend für Freunde" zu einer jährlichen Institution zu machen, falls es gewünscht sei. Und danach sah es aus. Zum einen konnte sich trotz der zunehmenden Dunkelheit kaum einer trennen von seinen Vierbeinern; und dann schrieben viele ins Gästebuch am Ausgang, "unbedingt wiederholen". Versehen war diese Aufforderung mit durchschnittlich drei Ausrufezeichen.

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