Berlin : Der zweite Mann hinter Kardinal Sterzinsky verlässt Berlin

Generalvikar Wehr machte die Finanzkrise des Bistums publik – nun geht er als Auslandsseelsorger in die USA

Martin Gehlen

Der Generalvikar des Erzbistums Berlin, Peter Wehr, wird zum Ende des Monats sein Amt aufgeben. Wie der Tagesspiegel am Rande des Katholikentages in Ulm erfuhr, wird Wehr als Auslandsseelsorger nach Washington D.C. gehen und dort die deutsche Auslandspfarrei „Our Lady“ übernehmen. Wehr war seit April 2001 Generalvikar und damit der zweite Mann in der Führung des Erzbistums. Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1990 war er zunächst Kaplan in Potsdam, dann Pfarrer in St. Adalbert in Mitte und anschließend persönlicher Sekretär von Kardinal Georg Sterzinsky. Auf Wehrs Initiative hin hatte die Beratungsfirma McKinsey im Jahr 2002 mit einer Analyse der zerrütteten Bistumsfinanzen begonnen und für das hoch verschuldete Erzbistum einen Sanierungsplan erstellt. Das Verhältnis zwischen Sterzinsky und Wehr gilt seit längerem als tief gestört.

Der Abgang von Wehr wirft erneut die Frage nach der Zukunft von Kardinal Sterzinsky auf. Wie am Rande des Katholikentags zu erfahren war, werfen ihm seine Bischofskollegen einen mittlerweile völligen Realitätsverlust vor. Sterzinsky selbst beteiligte sich an keinem Forum auf dem Ulmer Christentreffen. Am Samstagnachmittag hielt er dort einen Gottesdienst für Spätaussiedler und Heimatvertriebene.

Die Situation im Erzbistum Berlin wird auch auf der am Montag beginnenden Sitzung des Ständigen Rates der Bischofskonferenz in Mainz zur Debatte stehen. Der von den übrigen deutschen Diözesen eingesetzte Treuhandausschuss, der die finanzielle Sanierung Berlins überwachen soll, hatte vor einigen Wochen in einem Brief an Kardinal Karl Lehmann erklärt, das Erzbistum Berlin sei ökonomisch zwar zu sanieren, nicht aber mit Kardinal Sterzinsky an der Spitze.

Nachfolger Wehrs soll der Dekan von Fürstenwalde, Ronald Rother werden. Rother wurde 1978 geweiht und arbeitete zunächst als Diözesanjugendseelsorger. Nach seiner Kaplanszeit in der Pfarrei St. Ludwig in Berlin-Wilmersdorf ging er 1995 als Pfarrer nach Frankfurt/Oder.

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