DER FUSSBALLER : DER FUSSBALLER

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Seine Zischlaute beim Ch verraten ihn: Bülent Gündogdu ist in Kreuzberg aufgewachsen, in eine reine „Türkenklasse“ für Gastarbeiterkinder gegangen, hat den Hauptschulabschluss gemacht. „Ich wollte, dass meine vier Kinder anders als ich in einem Umfeld aufwachsen, in dem sie eine reelle Chance haben“, sagt er. Die gleiche Chance wie die bildungsbürgerlichen Schüler am Schadow-Gymnasium in Zehlendorf, an dem er arbeitet.

Die Gündogdus wohnen seit dreieinhalb Jahren im „Direktorenhaus“ neben der Schule. Der jüngste Sohn ist zwölf, der älteste gerade fertig mit dem Lehramtsstudium. Auf dem großen alten Schreibtisch im Hausmeisterzimmer steht ein Foto von ihnen. Vorher hat die Familie in Kladow gelebt, da war Bülent Gündogdu Hausmeister in einem Schullandheim – nach seiner Zeit als Trainer für den Kreuzberger Fußballverein Türkyemspor, den er in den Achtzigern fast in die zweite Liga führte. An der Schadow-Schule hat er bis vor kurzem die Fußball-AG geleitet. Auf „seine Schüler“ ist er ebenso stolz wie auf die eigenen Söhne und Töchter.

„Das hier war mein schönstes Erlebnis an der Schule“, sagt er und zeigt auf einen Brief, der am Türrahmen klebt. Drei Schüler bitten darauf um Entschuldigung und versprechen, dass sie sich in Zukunft vorbildlich verhalten werden. Er solle ihnen bitte verzeihen und sie als Assistenten bei Herumwerkeln zurücknehmen. Denn: „Es macht so Spaß, dem besten Hausmeister denn je zu helfen.“ „Es war nicht schön, wie sie sich gegenüber einem Lehrer in der Klasse neben meinem Zimmer verhalten haben. Ich hatte ihnen gesagt, dass ich mit Leuten, die sich so benehmen, nichts mehr zu tun haben will“, sagt Gündogdu. Natürlich hat er ihnen vergeben: „Die Schüler sind das Beste an dem Job.“ Zum Abitur in ein paar Jahren will er den Übeltätern Kopien des Briefs überreichen. Daniela Martens

Bülent Gündogdu, 52, lebt und arbeitet seit dreieinhalb Jahren am Schadow-Gymnasium in Zehlendorf

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