DER ZOO VON MORGEN : Grundlagen für eine moderne Arche Noah

Ein Zoo sei in erster Linie für die Menschen da, hat der scheidende Berliner Zoo- und Tierparkdirektor Bernhard Blaszkiewitz oft gesagt. In den vergangenen Jahren wurde das nicht immer deutlich: Zu weitläufig und unübersichtlich der Tierpark im Osten, zu überladen der Zoo im Westen, so bemängelten Zoobesucher häufig. Ein moderner Zoo ist eine moderne Arche Noah, aber mehr als nur ein Sammelbecken für seltene Tiere. Er muss heutzutage mehrere Bedingungen erfüllen. Der Verband Deutscher Zoodirektoren nennt die folgenden vier Aspekte als Grundlagen eines modernen zoologischen Gartens:

Der Zoo ist vor allem eine Bildungseinrichtung. Ein wichtiger Teil ist dabei die Zoopädagogik. Vorreiter in diesem Bereich war bereits in den sechziger Jahren der Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek, der die erste Zooschule in einem europäischen Zoo errichtete. Der Tierpark Berlin war 1964 einer der ersten Nachahmer auf diesem Gebiet.

Eng damit verbunden ist der Natur- und Artenschutz: Moderne Zoos züchten nicht nur bedrohte Arten nach, sondern versuchen diese – wenn möglich – wieder in geeigneten Schutzgebieten auszuwildern. Ein Paradebeispiel dafür ist das Przewalskipferd, das einzige heute noch lebende Urwildpferd. In freier Wildbahn war es Mitte des 20. Jahrhunderts bereits ausgestorben, konnte aber dank weltweiter Zuchtbemühungen von Zoos wieder in Reservaten in der Mongolischen Steppe angesiedelt werden.

Doch auch die Forschung zählt zu den Aufgaben. Wie etwa im Leipziger Zoo, wo das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie die moderne Menschenaffenanlage (Pongoland) für seine Forschungen und Beobachtungen nutzt. Nicht zuletzt dient der Zoo den Besuchern zur Erholung und Freizeitgestaltung, so wie Blaskiewitz es immer schon sagte.Jan Mohnhaupt

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