Berlin : Des Bürgermeisters Feind aus Studententagen (Glosse)

Gerd Nowakowski

Die Niederlage, die am Anfang seiner Karriere stand, wird Eberhard Diepgen nie vergessen. Da hilft auch nicht der Lorbeer, inzwischen der dienstälteste Regierende Bürgermeister seit 1945 zu sein. Denn soviel Emotionen hat Diepgen wohl selten geweckt und zu spüren bekommen wie Anfang der sechziger Jahre: Da war der Weddinger Junge mit dem Drang nach ganz oben schon mal an der Spitze angekommen - als Asta-Vorsitzender der Freien Universität.

Pech nur, dass schlagende Verbindungen damals nicht gerade hochgeschätzt waren an einem Ort, wo die Studentenrevolte gerade ihren Anlauf auf die bundesdeutsche Gesellschaft übte. Und in einer schlagenden Verbindung übte Diepgen - übrigens gemeinsam mit dem heutigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Klaus-Rüdiger Landowsky - das Mensuren schlagen. So gingen die Studenten auf die Barrikaden und Diepgen im Protest unter.

Jetzt erwies Diepgen als einer der ersten dem vor zwanzig Jahren an den Folgen eines Attentats verstorbenen Studentenführer Rudi Dutschke eine Ehrbezeugung. Nun soll nicht spekuliert werden darüber, ob sich Dutschke so etwas zu Lebzeiten verbeten hätte. Doch was sind echte Freunde, was falsche? Der frühere Apo-Aktivist und Dutschke-Freund Horst Mahler jedenfalls hat im Alter statt des revolutionären Kampfes das Völkische für sich entdeckt und tümelt mit dem Antisemitismus. Und der frühere linke Vordenker Bernd Rabehl bekommt seit Monaten an der Freien Universität den Zorn der Studenten wegen seiner rechten Tendenzen zu spüren. Muss man da nicht froh sein, solche alten Feinde zu haben wie Eberhard Diepgen?

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