Berlin : Des Ministers Fortüne

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Eine Feier zum Abschied von Bernd Ulrich ? Wie das klingt! Aber es war so: Der Außenminister und Vizekanzler kam in die Redaktion, um dem Freund und Weggefährten und nicht zuletzt dem Kritiker die Reverenz zu erweisen. Für die Opposition bezeugte der christdemokratische Fraktionsgeschäftsführer Eckart von Klaeden den Respekt. Und die katholische Kirche entsandte ihren Päpstlichen Ehrenprälaten Karl Jüsten . Uns, den Kollegen, wurde ganz feierlich zu Mute.

Fünf Jahre hat Bernd Ulrich im Tagesspiegel seine Meinung über Politik im Großen und im Kleinen geschrieben, zuletzt als Leitender Redakteur. So gut und so originell wie kein Zweiter in der Generation der Vierzigjährigen, schrieb ihm der Chefredakteur als Kompliment zu. An manchen Tagen war es: Tagesliteratur. Nun ist er zur „Zeit“ gewechselt, der Hamburger Wochenzeitung. Dort ist er stellvertretender Chefredakteur und Berliner Büroleiter. Jedem Abschied wohnt ein Anfang inne, weiß der Dichter: In der „Zeit“ hat Bernd Ulrich bereits in den letzten Wochen geschrieben – aber das wird er auch hier weiter tun. Von Tag zu Tag.

An diesem einen Tag im Tagesspiegel, von dem hier die Rede ist, hat Bernd Ulrich nichts geschrieben – wohl aber geredet. Er hat berichtet über seine Erlebnisse im Haus und seine Erfahrungen mit der Politik. Was wohl geschehen wäre, wenn er alles gesagt, sprich: geschrieben hätte, was er über den Außenminister weiß? „Fortüne gehört zum Amt“, sagte Joschka Fischer launig in die Runde. Wir lachten. Feierlich zu sein heißt ja nicht, dass keiner lachen darf. Und so klang der Abend aus. cas

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