Berlin : Des Rappers neue Kleider

Kein fetter BMW, keine Beleidigungen: Der Berliner „Prinz Pi“ wird in der Szene trotzdem schwer gelobt

André Görke

Friedrich Kauz hat keine Schusswunden am Oberkörper und auch keine Narben von Messerstechereien. Friedrich Kautz, 27, trägt dafür einen kleinen Ring am Finger („Ich will später mal meine Freundin heiraten“), er fährt Moped („und keinen fetten BMW“), und er sagt, dass er „eine sehr schöne Kindheit“ hatte. Ja, und dieser Friedrich Kautz hat sogar Abitur, ist Student und kommt aus Zehlendorf. So viel zum Basiswissen.

Ein lieber Kerl vom Stadtrand also. Wenn man nun noch ein kleines Detail hinzufügt, dann bricht das ganze Gebilde jedoch wieder in sich zusammen. Friedrich Kautz ist nämlich ein Westberliner Rapper, der bis vor kurzem auf den protzigen Namen „Prinz Porno“ hörte (jetzt ist er nur noch „Prinz Pi“, weil ihm der Künstlername doch etwas albern vorkam).

Das ist die eine Geschichte, die erzählt werden kann: Ein Rapper, der die harten Ghettoklischees nicht bedient. Die andere Geschichte handelt von seinen Reimen , in denen ein Junge nicht gleich den verbalen Dschihad erklärt und alle anderen Hip-Hopper der Stadt in Gossensprache „disst“, wie „die Jugend“ so schön sagt (was der aktuelle Duden übrigens mit „Rapperjargon: verächtlich machen, schmähen“ übersetzt).

Prinz Pi hat mehr als 20 Platten im Berliner Untergrund aufgenommen, das neue Album „Donnerwetter“ ist in diesem Herbst rausgekommen. Darauf sind auch Schauspieler Martin Semmelrogge in einer Sprechrolle und Frank Zander zu hören. Zander übernimmt in „Meene Stadt“ – eine Liebeserklärung an die Berliner Schnauze – den Refrain mit seiner rauchigen Stimme, Prinz Pi rappt: „Juten Abend, meene Damen / dit is heute Schwoofsaison / kieka hier die Tippelschickse / hat ordentlich wat uff’m Balkon / Ick bin uff Remmidemmi / komm wir jehn ne Molle zwitschern / meene Piepel wolln die erste Schulle schon bei Bolle picheln.“

Prinz Pi wird gern mal als „Softie“ veralbert. Allerdings wird er genauso von sonst wenig zimperlichen Szenemagazinen wie „Juice“ und „Backspin“ hochgelobt. Dort steht: Sein neues Doppelalbum „Donnerwetter“ sei die „vielleicht kreativste und vielseitigste Platte aus deutschen Landen“, man spreche „mit ruhigem Gewissen eine Blindkaufempfehlung“ aus. Das ist schon was in einer Szene, deren einzige Konsequenz es bislang war, sich gegenseitig die Kompetenz abzusprechen. Was viele besonders erstaunt: Auf dem zweiten Album rappt er zu Klassikmusik – ohne Beat.

„Ich würde mal sagen: Ich mach intelligentere Musik“, sagt Prinz Pi bei einem Treffen in seinem Wilmersdorfer Kiez. „Das hört sich arrogant an, okay. Aber dieses Du-kacke-Ich-cool-Gehabe ist eintönig.“ Prinz Pi kritisiert Zehlendorfer Schnöselkultur und fehlendes Vertrauen von Erwachsenen in die Jugend. Er vermisst Idole, wie es sie früher einmal gab, feiert seine Heimat, das alte Westberlin, in einer wunderbaren Hommage („Berlin, Große Liebe“). Selbst wenn es weltpolitisch wird und die Kriege der US-Amerikaner in seinen Fokus rücken, dann heißt es in „PengPengPeng“: „Das ist Schach / die weißen Türme geschlagen/ die schwarze Dame raucht man heute als schwarzen Afghanen“. Ob das klug ist, sei dahingestellt, unkreativ ist es nicht.

Vor kurzem ist ein neuer DVD-Sampler über die Hip-Hop-Szene erschienen: Auf „Rapcity Berlin II“ stellen sich mehr als 40 Künstler vor. Infos: www.no-peanuts.com

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