Design-Schau Qubique : Schöne Möbel in Tempelhof

Nach der Mode kommen Möbel und Porzellan: Im ehemaligen Flughafen findet erstmals die Designmesse Qubique statt.

von
Vom 26. bis zum 29. Oktober zeigt die Möbelmesse Qubique das Neueste aus der Welt des Möbeldesigns.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Mike Wolff
27.10.2011 16:51Vom 26. bis zum 29. Oktober zeigt die Möbelmesse Qubique das Neueste aus der Welt des Möbeldesigns.

So schick war der Tisch in Hangar 7 noch nie gedeckt. Falls hier unter den groben Stahlträgern in der hohen Halle des ehemaligen Flughafens Tempelhof überhaupt schon mal einer stand. Sacht geschwungene Gläser auf dunklem Holz, edles weißes Porzellan mit prägnanter Struktur. Matt und glänzend, kühl und warm zugleich. Bisquit heißt dieses Porzellan. „Wir schleifen die Oberflächen mit Diamant, dann werden sie butterweich“, sagt Stefanie Hering. Die Berliner Keramikmeisterin und Designerin ist eine von 135 Ausstellern aus 20 Ländern auf der „Qubique“, der ersten Möbel- und Designmesse am hipsten Standort der Stadt, der unter anderem auch die Modemesse Bread & Butter beherbergt. Seit Mittwoch stromern hier bereits Fachbesucher an Möbeln von Thonet, Mosaiken von Bisazza, Teppichen von Vorwerk oder Regalen von System 180 vorbei. Freitag und Sonnabend ist die Schau fürs Publikum, sprich für Freunde der guten Form, geöffnet.

So ein Schaufenster, eine Messe für Designliebhaber, sei in Berlin absolut überfällig gewesen, sagt Stefanie Hering. Sie stellt ihre Geschirre, Gläser, Tischtextilien und Leuchten sonst auf Wohnmessen in Paris, New York, Köln oder Mailand aus. Dort findet die wichtigste europäische Möbelmesse Salone Mobile statt, ein ziemlicher Albtraum, findet Hering. Es fehle an Hotelzimmern und Restaurants und die Stände seien die üblichen Hasenställe mit Wänden und Tür, in denen sich ein Hersteller vom anderen abschotte. Die Qubique hingegen böte „sexy“ Hallen, gute Gastronomie und ein offenes Standkonzept, das die Architektur einbezieht. „Da kommt man besser ins Gespräch.“

Ans 2006 von der Unesco zur „Stadt des Designs“ ernannte Berlin hat die gebürtige Stuttgarterin schon vorher geglaubt. „Es ist keine Produktionsstadt, aber wir haben tolle Designer“, sagt sie. Ihre Manufaktur hat sie 1992 in Prenzlauer Berg gegründet. Dort in der Lychener Straße und später in Wannsee hat sie ihr inzwischen vielfach ausgezeichnetes Porzellan hergestellt, mit dem Sterneköche wie Michael Hoffmann oder Dieter Müller ihre Restaurants ausstatten. Inzwischen sitzen Firma und Showroom in Kohlhasenbrück, wo sie mit Familie lebt, die Teller und Tassen werden in Thüringen gefertigt. Komplett von Hand. „Nur so bekommt man diese Struktur und damit die Emotionen“, sagt sie und streicht über die Rillen im Tellerrand. Dieses Gefühl, diese Härte des fragil wirkenden, aber robusten Materials hat ihren Preis: mehr als 100 Euro pro Teller.

Eine Luxusmesse sei die Qubique nicht, sagt Veranstalter Matthias Schmid, „aber eine, bei der es um Qualität geht“. Schmid war bis 2010 einer der Geschäftsführer der Modemesse Bread & Butter und hat im Anschluss mit einigen Partnern die Firma Offshow gegründet, die Messeformate für die Kreativwirtschaft entwickelt. Die in einem Team von 20 Leuten innerhalb eines Jahres entwickelte Möbel- und Designschau ist deren erstes Baby. Die Standorte Berlin und Tempelhof seien dabei gesetzt gewesen, sagt Schmid. „Die Stadt spielt in der internationalen Kreativszene eine ganz wichtige Rolle und so ein Gebäude gibt es kein zweites Mal in Europa.“ Bis 2015 will Schmid 38 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche im Flughafen bespielen, jetzt sind es erst mal 10 000 Quadratmeter. Und zwar mit seinem auf hochwertige, individuelle Marken und einen gewissen Eventcharakter setzenden kommerziellen Konzept. Zwei aufs Rollfeld gesetzte Art-Deco-Spiegelzelte beherbergen Restaurants, in der Eingangshalle verkaufen neun Designgalerien Möbel und Objekte, Thonet zeigt, wie man Bugholzstühle biegt. Die Old-School-Möbelmesse, die die ganze Bandbreite der Branche zeigt, habe ausgedient, sagt Schmid. Er spekuliert darauf, dass Händler und urbanes Publikum, die ihren Messebesuch als gute Zeit in Tempelhof erlebt haben, gerne auch nächstes Jahr wiederkommen. Frei nach dem Motto: Lifestyle belebt das Geschäft mit dem Lifestyle.

Flughafen Tempelhof, Fr. und Sa. 10–19 Uhr, 16,50 Euro (erm. 12,50 Euro).

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben