Berlin : Design statt Allwetterjacken

Das Modewochenende sieht dieses Mal etwas anders aus: weniger Turnschuhe und Jeans – dafür mehr Kleider von jungen Kreativen

Grit Thönnissen

Heute beginnt zum neunten Mal das Berliner Modewochenende. Insgesamt zeigen mehr als 1000 Modelabel ihre Kollektionen für Herbst/Winter 2007 auf drei Modemessen, Modenschauen, in Showrooms und Ateliers. Zum ersten Mal hat die einst größte Modemesse Bread & Butter nur noch einen kleinen Nebenschauplatz, rund 30 Marken sorgen im Kraftwerk an der Köpenicker Straße für Unterhaltung. Also wird es dieses Mal weniger Jeans, Turnschuhe und T-Shirts zu sehen geben und dafür mehr Mode von Designern. Und die beiden Modefachfrauen Sumi Ha und Rike Doepp sind mit dafür verantwortlich, dass sich Berlin modisch in diese Richtung entwickelt.

Sumi Ha organisiert gern und mag Mode. Deshalb hat sie 2004 einen Laden mit Kleidern von jungen Designern aus Skandinavien, Berlin und dem Rest der Welt eröffnet und zwei Jahre später die passende Modemesse ins Leben gerufen. Zum dritten Mal findet die „Ideal“ nun im Café Moskau an der Karl-Marx-Allee statt. 60 Designer zeigen ihre Entwürfe und fast alles davon würde in Sumi Has „Bestshop“ passen. Diesmal sind besonders viele Berliner Modemacher dabei.

Für junge Designer ist Berlin der richtige Ort, davon ist die 30-Jährige überzeugt. Nicht nur, dass es hier mit der Musik-, Kunst-, und Clubszene ein passendes Umfeld gebe, hier sei auch genug Platz für alle. „In Paris gehst du als kleiner Designer in der Masse unter, nach Berlin kommen viele Einkäufer, um Neues zu entdecken und das zieht wiederum viele junge Designer an.“

Rike Doepp sieht das mit Berlin und der Mode ganz entspannt. Vielleicht liegt das daran, dass die Leiterin der Agentur V jede Woche mehrere Pakete mit Kleidung rund um die Welt, zur französischen und italienischen Vogue, zur Dazed & Confused nach London oder zur Elle nach Stockholm schickt.

Die Agentur V wurde in Kopenhagen gegründet, aber von Berlin aus werden die meisten Anfragen bearbeitet. In der Fabriketage in einem Hinterhof in Mitte hängen die bunten Kleider vom Berliner Designerduo C.Neeon, von dem dänischen Designerstar Hendrik Vibskov und auch ein sehr avantgardistisches Label aus Australien ist dabei, das aus Mantelfutter Abendkleider schneidert. Rike Doepp und ihre Kollegen kümmern sich darum, dass wichtige Magazine immer genug Kleider für ihre Fotostrecken haben. „So eine Agentur könnten wir uns in keiner anderen Stadt leisten, da bräuchte man eine kommerzielle Marke, um die Miete bezahlen zu können“, sagt Doepp fröhlich. So aber können sie sich auf das Bekanntmachen der interessantesten jungen Designer konzentrieren.

Viele Trendsetter fänden es cool, Sachen aus Berlin zu bestellen, und sie fänden es genauso cool hierherzukommen. Natürlich ist auch die Agentur V an diesem Wochenende geöffnet und einen kleinen Stand auf der Ideal gibt es auch.

Nur das mit dem Berlin-Termin passt der Agenturchefin irgendwie nicht. Seit heute laufen nämlich in Paris die Männermodenschauen. Deshalb hätte RikeDoepp gern, wie viele Modeleute, ihren eigenen Klon: „Paris ist einfach zu wichtig, da muss man hin. Wenn Mode hier auch staatlich organisiert würde wie in Frankreich, wäre das nicht möglich.“ Der Bread & Butter weint sie keine Träne nach: „Jetzt sind wir wenigstens die Köppe los, die hier Goretex-Jacken und Golf-Ausrüstungen verkaufen wollten.“

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