Berlin : Designer-Modenschau im Hotel Martim pro Arte

Ulrike Keding

Wer hätte gedacht, daß der Reifrock wieder in Mode kommt? Unter den international renommierten, italienischen Designern, die im Hotel Maritim pro Arte mit ihrem modischen Ausblick ins zweite Jahrtausend für Spannung sorgten, erregten Guillermo Mariottos rokokoartige Entwürfe mit meterlanger Schleppe am meisten Aufsehen: "Es ist die Vergangenheit und die Zukunft, die ich im Jahr 2000 miteinander verbinden will". Haute Couture aus edlen Stoffresten: "Beautiful Garbage" (englisch für "schöner Müll") ist die Reifrock-Kollektion getauft - und liegt damit ganz im Recycling-Trend der Zeit.

"Die Frauen", sagt Modeschöpfer Mariotto voraus, "werden sich im nächsten Jahrtausend femininer anziehen." Mariotto ist Chefdesigner im Hause Gattinoni in Rom, seit 1946 eine weltberühmte Adresse für Haute Couture, wo sich schon Audrey Hepburn und Ingrid Bergmann einkleiden ließen. Nur auserwählte, junge Damen werden auch Mariottos kunstvolle Roben tragen, die es nur 18-20 Mal auf der Welt gibt. Die arabische Prinzessin Sheikha-Sheikha, Tochter des Königs der Vereinigten Arabischen Emirate, feiert ihre Hochzeit im Reifrock.

Alltäglicher geht es da schon bei Viviana Soppeno zu: frech, peppig, gelb, bauchfrei,mini oder maxi-geschlitzt - mit sonnig-mediterranem Pfiff präsentierte die einzige Modeschöpferin unter ihren männlichen Kollegen ihre Vision des Sommers 2000. Treten Soppenos Models eher kess auf, so schreiten bei Nino Cerruti die jungen Frauen traumwandelnd in supermaxilangen, sandfarbenen Sommerkleidern über den Laufsteg, deren einziger Schmuck überkreuzte Rückenträger sind. Cerruti, weltbekannter Modeschöpfer, wagt am wenigsten und glänzt doch mit schlichter Eleganz: seinen sanft schillernden, knielangen Mänteln in schwarzem und tannengrünen Fell, gerade das Richtige für den Herbst.

Exotisch geht es bei Alviero Martini zu. Der Modeschöpfer ließ sich durch die Kunst der Maya-Indianer in Guatemala inspirieren und entwarf ethnisch gestaltete Stoffe für Abendkleider aus weich fallenden Stoffen, bei denen die Beine zwischen Schlitzen blitzen. Martini will mit seinen Kreationen den Menschen die Augen für außereuropäische Kulturen öffnen. Dabei setzt er wie seine Kollegen auf feminines Flair im zweiten Jahrtausend.

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