DesignMai : Altbau-Villa von Designern umgestaltet

Für das Industrieloft scheint es gemacht. Auf internationalen Messen setzt es sich durch. Doch wie bewährt sich Design von jungen Berlinern in einer Villa von 1922?

Berlin - Dieser Frage widmet sich die Ausstellung "Full House" im "Haus am Waldsee" im grünen Berlin-Zehlendorf. Wenn am Samstag der "Designmai" zum fünften Mal öffnet und in Berlins Mitte junges Design zeigt, können Besucher am westlichen Stadtrand die Qualität zeitgenössischer Wohnkreationen prüfen.

Während der bis 20. Mai laufende "Designmai" sich dem Schwerpunkt digitaler Technik bei der Produktgestaltung widmet, interessieren im "Haus am Waldsee" bis 31. Mai ausschließlich die Resultate. 17 renommierte Berliner Designer hat Direktorin Katja Blomberg eingeladen. Sie sollten die Ausstellungsvilla für zeitgenössische Kunst wieder in ein Wohnhaus umwandeln. Was kommt raus, wenn man einen Altbau mit jüngsten Entwürfen gestaltet? Blombergs Auftrag an die Designer lautete: richtig einrichten und Leben simulieren.

Und so sind alle zehn Zimmer der zweistöckigen Einfamilien-Villa neu gestrichen und möbliert. Der Empfangssaal von früher ist heute eine Lounge, schwelgerisch mit schwarzen Samtvorhängen gestaltet von Jürgen Mayer H., dessen opulente Sessel Gelegenheit zum "Chillen" bieten. Im Badezimmer von "Gerhards & Glücker" (Carsten Gerhards, Andreas Glücker) im lila ausgelegten Wohnzimmer wurde eine Dusche aus transparentem Gartenschlauch gewickelt.

Altbau-Villa für Single Patchwork-Chaos-Familie

Seine Habseligkeiten kann der Nutzer draußen in der von "B&B Italia" produzierten "Softwall" des Duos verstauen. Die Küche ist ein mobiler Block mit Kräutergarten von "jomad" (Johannes Müller-Baum), der am Ende versteigert wird.

Die Hausdame und der Hausherr von einst würden sich die Augen reiben angesichts heutiger Wohnideen. Das Schlafzimmer von Sabina Nordalm (Raumwerk Berlin) macht die gewandelten Bedürfnisse deutlich: In dem puristisch gehaltenen Raum stehen nichts weiter als ein Bett und ein Schreibtisch. Leben und Arbeiten gehören für viele in der Designer-WG zusammen.

Etwa auch bei Konrad Süßkow. Er hat im ehemaligen Badezimmer des Hauses einen Raum geschaffen, der sich mit wenigen Handgriffen von der Schlaf- zur Empfangsstube, dann wieder zum Erfinderzimmer umwandeln lässt. Statt bürgerlicher Großfamilie hat dort jetzt die Single-Patchwork-Chaos-Familie Platz. (tso/ddp)

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