Berlin : Det schaffn wa!

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VON TAG ZU TAG

Gerd Appenzeller über Berliner

Wurstigkeit am Flughafen Tegel

Es ist schon wahr. Der Berliner Flughafen Tegel ist herrlich bequem. Nirgendwo in Deutschland gibt es einen Großstadt-Airport mit so kurzen Wegen. Nirgendwo kann man mit dem Taxi so nahe an das jeweilige Abfluggate heranfahren. Und früher, als es in Tegel noch deutlich weniger Starts und Landungen gab, konnte man auf der großen Anzeigetafel rechts der Zufahrtsstraße sogar ablesen, an welchem Gate die Maschinen landeten. Jemand am Flughafen abzuholen, war in Berlin eine Sache von Minuten.

Seit fast einem Jahrzehnt wurden auf der Tafel nur noch die Abflüge annonciert – mehr Platz war nicht. Nun soll auch damit für Monate Schluss sein. Die Tafel ist kaputt, eine neue ist teuer, man prüft die Angebote, und außerdem, teilt die Flughafengesellschaft mit, gebe es einen solchen Luxus an keinem anderen Flughafen.

Stimmt. Dafür ist jetzt auch bei der Flughafengesellschaft etwas anderes da – die Berliner Tendenz, den Wegfall von Leistungen als den Verzicht auf Luxus zu deklarieren. Frei nach der Devise: Wär doch jelacht, wenn wa det nicht ooch noch kaputt kriegn! Der Flughafen Tegel fährt jedes Jahr satte Gewinne ein. Dass das Geld für eine neue Anzeigetafel knapp sei, ist also, sagen wir es freundlich, eine neben den Fakten liegende Interpretation. Wenn die Betreibergesellschaft jetzt für viele Monate den Flughafen der kurzen zum Flughafen der langen Wege macht, weil künftig eben jeder vor der Haupthalle aussteigen muss, schikaniert sie ihre Kunden. Der Besuch in Berlin beginnt und endet für die Passagiere mit Ärger, weil in Tegel die Wurstigkeit regiert. Bravo, Hauptstadt!

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