Berlin : Deutlich, still und leise

Der neue Vorsitzende ist ein Mann der Gegensätze

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Michael Müller ist ein Sturkopf und doch gilt er als neuer Sympathieträger der Berliner SPD. Meist gut gelaunt, vertritt der 39jährige Kleinunternehmer aus Tempelhof die jüngere Generation, die auf der zweiten und dritten Parteiebene längst die Fäden in der Hand hat. Fröhlich, still und leise hat sich Müller aus der Bezirkspolitik ins Landesparlament hochgedient.

1996 zog er ins Abgeordnetenhaus ein; schon fünf Jahre später wurde er Chef der SPD-Fraktion. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hatte ihn nach Übernahme der Regierungsmacht als seinen Nachfolger an die Spitze gebracht. Beide kennen sich gut aus Tempelhof. Müller und Wowereit verbindet ein enges und freundschaftliches Vertrauensverhältnis. Manche dachten zunächst, Müller werde nach der Pfeife des Regierenden tanzen. Das tut er nicht. Der neue SPD-Landeschef ist zwar ein Familienmensch, verheiratet, zwei schulpflichtige Kinder. Aber als Fraktionschef erleben ihn viele als harten Knochen, der zäh verhandelt, nötigenfalls ein Machtwort spricht und so die Regierungsfraktion bändigt. An Müller kommt der Senat nicht vorbei. Auch Wowereit und dem Koalitionspartner PDS sagt er ab und zu deutliche, harte Worte. Ab jetzt muss er sich zusätzlich und intensiv um eine verunsicherte, frustrierte SPD kümmern – da kann er seinen Humor gut brauchen.

Das neue Amt wird Michael Müller viel Kraft und Nerven kosten. Nun ruhen die Hoffnungen des SPD-Landesverbandes auf dem neuen Führungsmann. Mit dem Wahlergebnis von 88 Prozent hat er von seiner Partei gestern reichlich Vertrauensvorschuss bekommen. In TV-Talkshows zu glänzen, wird Müllers Sache auch in Zukunft nicht sein. Er ist nicht prominent und er wird es nicht werden. Dafür hat die Berliner SPD ja ihren Wowereit. za

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