Berlin : Deutsch-amerikanische Luftblase?

Der Irak-Krieg und seine Folgen: Es wird immer unwahrscheinlicher, dass die US-Firma Universal Express beim Luftschiffbauer Cargolifter einsteigt

Michael Mara,Thorsten Metzner

Von Michael Mara

und Thorsten Metzner

Potsdam. Bereits im vergangenen Jahr gingen ausländische Investitionen in Brandenburg zurück. Dieser Negativ-Trend, so befürchten Wirtschaftsexperten, wird sich durch die US-Intervention am Golf und ihre unkalkulierbaren Folgen für die Weltwirtschaft verstärken. Tatsächlich erschwert der Irak-Krieg schon jetzt US-amerikanische Investitionen im Land – wie der Fall Cargolifter zeigt. Nach Tagesspiegel-Recherchen könnte die geplante Übernahme des insolventen Luftschiffbauers im südbrandenburgischen Brand durch den US-Logistikkonzern Universal Express scheitern, da die deutsch-amerikanischen Spannungen bereits die laufenden Verkaufsverhandlungen belasten.

„Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass Universal Express aus dem Bewerber-Konsortium aussteigt“, sagte Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning am Freitag. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Deutschland und den USA zum Irak-Krieg seien nach seinen Erfahrungen „nicht förderlich für geschäftliche Kontakte“. Nach Worten von Mönning hätten die Verhandlungspartner von Universal Express bereits erklärt, dass in Aktionärskreisen die Frage diskutiert werde, ob der US-Konzern unter den aktuellen Bedingungen überhaupt in Deutschland investieren sollte. Diese Bedenken werden in Banken- und Wirtschaftskreisen geteilt.

Wie berichtet, ist Universal Express im Rahmen eines Konsortiums zusammen mit neuseeländischen und isländischen Partnern der einzige ernsthafte Kaufinteressent für den insolventen Luftschiffbauer in Brand. Nach früheren Angaben Mönnings will der Konzern in Brand ein Frachtzentrum errichten und rund 350 Millionen Euro investieren. Zur Debatte steht ein Kaufpreis von rund 87 Millionen Euro. Dabei soll auch der Flugplatz Brand für Werksflugzeuge reaktiviert werden. Ein Abriss der mit 42 Millionen Euro von der öffentlichen Hand geförderten Halle ist nicht ausgeschlossen.

Mönning bestätigte, dass die deutsch-amerikanischen Spannungen die Verhandlungen mit dem US-Investor belasten, zumal „dessen Führung der Bush-Administration nahe steht“. So habe der Firmenchef von Universial Express, Richard Altomare, berichtet, dass er im Vorstand einer Vereinigung von US-Kriegsveteranen aktiv sei, dessen Aufsichtsratschef US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sei. In den Verkaufsverhandlungen für Cargolifter hätten die Amerikaner nie einen Hehl daraus gemacht, dass für sie die deutsche Irak-Haltung „nicht nachvollziehbar“ sei, so Mönning. Er habe seine persönliche Position dagegen gehalten, die mit der des Bundeskanzlers identisch sei. Für das Klima der Verhandlungen seien solche Differenzen allerdings nicht förderlich.

Eigentlich soll bis Anfang April Klarheit herrschen, ob ein Einstieg von Universal Express zustande kommt. Der Konzern ist aufgefordert, spätestens in zwei Wochen ein konkretes Business-Konzept vorzulegen und die Eigenmittel nachzuweisen. Nun drohen durch den Krieg Verzögerungen, sagte Mönning. Denn kommende Woche sollen zwar weitere Gespräche mit dem Bewerberkonsortium stattfinden. Mönning rechnet jedoch mit einer Absage der Vertreter von Universal Express. Es gebe Signale, dass sie wegen des Krieges aus Sicherheitsgründen nicht nach Europa fliegen wollen. Er werde weiter alles versuchen, eine Lösung für Cargolifter zu erreichen, sagte der Insolvenzverwalter. Aber: „Die ohnehin schweren Verhandlungen dürfen nicht noch durch außenpolitische Differenzen belastet werden.“

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben