• Deutsch-Amerikanisches Volksfest: Fahrgäste hingen 45 Minuten kopfüber in der Gondel

Deutsch-Amerikanisches Volksfest : Fahrgäste hingen 45 Minuten kopfüber in der Gondel

Horrortour auf dem deutsch-amerikanischen Volksfest: „Stargate“-Karussell blieb durch Defekt in der obersten Position stehen

Christoph Stollowsky
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Gerettet. Rettungskräfte kümmerten sich um Menschen, die aus der defekten Gondel geholt worden waren. Das Fahrgeschäft wurde...

Die Horrorvorstellung wurde Wirklichkeit: Etwa 45 Minuten lang hingen Samstagabend 15 Besucher des deutsch-amerikanischen Volksfestes am Zehlendorfer Hüttenweg in mehr als zehn Metern Höhe kopfüber in mehreren Gondeln des Fahrgeschäftes „Stargate“. Wegen eines technischen Defektes hatte das auf Nervenkitzel ausgelegte Karussell, das sich mit großem Tempo in mehreren Richtungen dreht und auf dem Höhepunkt der Fahrt Überschläge macht, in der obersten Position plötzlich angehalten. Dem Betreiber gelang es nach Angaben der Feuerwehr erst nach einer Dreiviertelstunde, die betroffenen Gondeln zum Boden zu holen. So lange mussten die Fahrgäste, darunter etliche Jugendliche, mit dem Kopf nach unten ausharren. Zwei Personen wurden mit Schock und Kreislaufproblemen ins Krankenhaus gebracht.

Um 19.40 Uhr wurden die Polizei und Feuerwehr alarmiert. Als die ersten Beamten anrückten, hingen die Betroffenen bereits zwanzig Minuten kopfüber, „von Ängsten gepeinigt“, sagte Feuerwehr- Sprecher Sven Gerling. Denn niemand wusste, ob sich vielleicht durch den Defekt auch noch die Haltebügel lösen würden, die die Fahrgäste in ihre Sitze drücken. Es dauerte dann aber noch einmal bis zu 25 Minuten, bis die Stargate-Mitarbeiter das Karussell wieder in die Normalposition brachten. Warum dies nicht schneller möglich war, konnte die Polizei bis Redaktionsschluss nicht klären. Auch die Ursache des Defektes war am späten Abend noch unklar.

Während der Dreiviertelstunde, in der die Betroffenen zwischen Himmel und Erde hingen, spielten sich auch am Boden dramatische Szenen ab. Ein Junge musste zusehen, wie seine Eltern über ihm in der Luft um Hilfe schrien. Schaulustige äußerten lautstark ihren Unmut, warum nicht schneller geholfen werden konnte. Als die 15 Fahrgäste schließlich wieder am Boden waren, fielen sie sich mit ihren Angehörigen, die von unten aus alles verfolgt hatten, in die Arme, etliche bekamen Weinkrämpfe und wurden von Sanitätern und einem Notarzt mit Beruhigungsmitteln versorgt und auf Tragen gelegt. Dass durch den Unfall niemand stärkere gesundheitliche Schäden erlitt, lag vermutlich am überwiegend jugendlichen Alter der Betroffenen. Laut Feuerwehr kann ein Mensch mit guter Konstitution „durchaus eine derart lange Zeit in der Kopf-über-Position aushalten.“ Bedenklicher sei dies bei Menschen mit Kreislaufproblemen und höherem Alter.

Das defekte Stargate-Karussell wurde sofort weiträumig abgesperrt und stillgelegt. Zugleich benachrichtigte die Polizei den Technischen Überwachungsverein (Tüv). Bevor dessen Experten das Fahrgeschäft nicht eingehend untersucht haben, ist mit keiner Freigabe zu rechnen. Auch die Staatsanwaltschaft wurde noch in der Nacht eingeschaltet, sie ließ das Karussell „zur Beweissicherung beschlagnahmen“, sagte ein Polizeisprecher. Die Anlage hat insgesamt zwölf Gondeln, in denen jeweils vier Fahrgäste sitzen und – mit Bügeln gesichert – herumgeschleudert werden. Zum Zeitpunkt des Unfalles war das Fahrgeschäft zum Glück nur schwach besetzt.

Erst Anfang August hatte sich auf dem deutsch-amerikanischen Volksfest ein tragisches Unglück ereignet. Dabei starb ein elfjähriger Junge aus noch ungeklärter Ursache bei einer Fahrt mit der Achterbahn „Wilde Maus“. Er war mit seiner Schwester in einem Wagen des Fahrgeschäftes unterwegs. Als sie am Ende ankamen, hing der Junge plötzlich leblos im Sitz. Selbst nach einer Obduktion stehen die Ärzte bislang vor einem Rätsel. Ein Defekt der Achterbahn wurde in diesem Fall vom Tüv ausgeschlossen.

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