Deutsch-Amerikanisches Volksfest : Feuerwehr kassiert nach Karussell-Unglück

Im August waren Fahrgäste eines Karussells auf dem deutsch-amerikanischen Volksfest 45 Minuten kopfüber gefangen. Nun präsentiert ihnen die Feuerwehr die Rechnung.

Jana Peters

Es sollte eine lustige Karussellfahrt werden. Aber statt kurzem Nervenkitzel erlebten 15 Besucher des deutsch-amerikanischen Volksfests im August diesen Jahres echte Panik. Eine Dreiviertelstunde lang mussten sie kopfüber in zehn Metern Höhe im Karussell „Stargate“ ausharren. Das Fahrgeschäft, das sich in mehrere Richtungen gleichzeitig dreht und dabei Überschläge macht, war plötzlich stehengeblieben. Mit dem Kopf nach unten befürchteten die Fahrgäste, dass sich auch noch die Haltebügel, die sie in ihren Sitzen hielten, lösen würden. Nach rund 45 Minuten gelang es, die Gondeln wieder nach unten zu bewegen. Die Feuerwehr betreute einige Personen, die einen Schock erlitten hatten, medizinisch und brachte zwei von ihnen ins Krankenhaus.

Nun erhielten einige der Betroffenen eine Rechnung von der Feuerwehr und sind schockiert. Michael Lude etwa bekam am Wochenende eine Rechnung, die sich auf über 600 Euro beläuft. Dabei wurde er nach seiner Darstellung nicht einmal selbst untersucht, sondern begleitete nur seine Frau, die mit dem Krankenwagen in die Klinik gefahren wurde. Seine Frau habe hingegen noch keine Rechnung erhalten. „Ich habe das direkt meinem Anwalt übergeben“, so Lude.

„Die Leute brauchen sich keine Gedanken zu machen“, beruhigt dagegen Wolfgang Rowenhagen, Sprecher der Berliner Feuerwehr. Die Rechnung sei lediglich für die medizinische Versorgung oder den Transport mit dem Krankenwagen. Normalerweise erhält die Krankenkasse des Patienten die Rechnung. Ist der Feuerwehr aber die Krankenkasse des Betroffenen nicht bekannt oder ist dieser privat versichert, erhält erst einmal er selbst die Rechnung. Auf der Rückseite hat er aber die Möglichkeit, seine Krankenkasse einzutragen und an die Feuerwehr zurückzuschicken. Oder er zahlt selbst und lässt sich den Betrag von der Krankenkasse erstatten. Er müsse jedoch zehn Euro Selbstbeteiligung zahlen. Die ärztliche Versorgung oder der Transport im Krankenwagen kostet 281,43 Euro, die Behandlung durch den Notarzt 672 Euro. Die Krankenkasse fordert dann den Verursacher des Schadens auf, zu zahlen. „Am Ende werden dem Schuldigen die Kosten auferlegt“, so Rowenhagen. Sven Gerling, ebenfalls Sprecher der Feuerwehr, kann sich Ludes hohe Rechnung nur mit einer Behandlung durch den Notarzt erklären: „Warum hätte er sonst mitfahren sollen? Im Krankenwagen darf eigentlich gar kein Angehöriger mit. Nur, wenn es wirklich von Vorteil für den Patienten oder die Ärzte ist.“

Die Entscheidung, wer Schuld am Vorfall im Karussell hat, ist Sache der Staatsanwaltschaft. Gegen den Besitzer des Fahrgeschäfts wird wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Die Staatsanwaltschaft konnte bis Redaktionsschluss allerdings keine Angaben zum Stand der Ermittlungen machen. 

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Gefangen. Wer ins Karussel steigt, sollte die Krankenkarte mitnehmen.  Foto: Uwe Steinert

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