Berlin : Deutsch für Inländer, Ausländer oder wen? (Kommentar)

Eva Schweitzer

Zeitungslesen - na klar. Dass Ausländer, die eingebürgert werden wollen, Zeitungsdeutsch beherrschen müssen, finden wir richtig. Texte wie: "Nadine ist heute ganz heiß, obwohl sie ihr T-Shirt schon nassgemacht hat. Aber der Klempner mit dem dicken Pumpenschwengel ist erst mal woanders steckengeblieben" führen zum ebenso nachhaltigen wie notwendigen Verständnis der deutschen Kultur. Aber reicht das aus, das Leben in Deutschland zu bestehen?

Zum Beispiel Bahnfahren. Warum nicht den einbürgerungswilligen Mitbürger zum Kundencenter im, sagen wir, Bahnhof Schöneweide schicken, mit dem Auftrag, die billigste Bahnkarte von Frankfurt (Oder) nach Kirchheim (Teck) zu besorgen, mit zwei Kindern und einem Meerschweinchen im Interregio, eine Sonnabend zwischen Hin- und Rückfahrt, bei Mondschein und Zwischenstopp in Castrop-Rauxel?

Oder Behördengänge. Der Mitbürger sollte in der Lage sein, bei der Kfz-Zulassungsstelle anzurufen und in fließendem Deutsch zu sagen: "Guten Tag, ich möchte bitte mein Auto anmelden. Könnten wir einen Termin vereinbaren, meine Zeit ist nämlich begrenzt. Sie haben doch Sonnabendnachmittag geöffnet?" Sinnvoll wäre auch, wenn der Mitbürger vorführen muss, wie er - angewiesen auf eine aus dem Chinesischen übersetzte Betriebsanleitung - einen Videorecorder programmiert. Hilfsweise käme auch ein ISDN-Telefon in Betracht. Anspruchsvoll wäre auch ein Anruf bei t-online mit der Frage: "Was muss ich tun, damit mein Internet-Anschluss auch im Ausland funktioniert? Übrigens habe ich einen Macintosh."

Daran würden auch Deutsche scheitern? Ja eben. Aber jetzt brauchen wir Leute, die uns mit all diesem Kram weiterhelfen.

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