Berlin : Deutsch – zweitrangig für Polizisten?

Wie Berlin Integrationsprobleme besser bewältigen kann. In Amsterdam ist jeder achte Beamte Migrant

Tanja Buntrock

Hier sind sich die Polizeipräsidenten der europäischen Hauptstädte einig: Künftig soll es in den Metropolen mehr Polizisten mit Migrationshintergrund geben. Dies ist ein Ergebnis des europäischen Polizei-Kongresses, der gestern endete. 34 Polizeichefs nahmen an der Konferenz teil, die am Montag eröffnet worden war. Berlin war erstmals Gastgeber.

Bei Vorträgen und Diskussionen hätten sich die Teilnehmer neben Themen wie „Terrorismusgefahr“ vor allem darüber ausgetauscht, wie die Beamten die „Migranten-Communities“ besser erreichen können, sagte Vize-Polizeipräsident Gerd Neubeck. Schließlich ähnelten sich die Probleme vieler Hauptstädte: In Vororten oder bestimmten Bezirken, wo der Anteil der Bewohner anderer Ethnien hoch ist, gibt es auch eine hohe Kriminalitätsrate – gerade unter Jugendlichen.

Ein Schlüssel, um das Problem zu lösen, sei „die Rekrutierung von Zuwanderern in den Dienst“, sagte Amsterdams Polizeipräsident Bernard Welten. Von seinen 6000 Beamten kämen mittlerweile 750 aus Migrantenfamilien. In Berlin sind von 16 000 Polizisten momentan rund 150 ausländischer Herkunft. Ziel der Berliner Polizei ist es, irgendwann einmal einen Anteil von zehn Prozent im Polizeidienst zu erreichen. Doch die Niederländer hätten es beim Anwerben dieser Zielgruppe „einfacher als die Deutschen“, sagte Neubeck. Denn in Deutschland gilt das Beamtenrecht. Und nach dem Gleichheitsgrundsatz müssen bei der Bewerbung dieselben Aufnahmemaßstäbe für alle gelten. Das macht es für viele ausländische Bewerber schwieriger: „Sie haben oft Probleme, sich beim Auswahltest in perfektem Deutsch über ein politisches oder geschichtliches Thema zu äußern“, erläuterte Neubeck.

Die Niederländer sehen das lockerer: „Wir suchen nach Qualität aus, nicht so sehr danach, wie gut jemand die holländische Sprache beherrscht“, sagte Welten. Vielmehr komme es darauf an, dass dieser Polizist beispielsweise perfekt Arabisch spricht. Das könne bei einer Streifenfahrt viel wichtiger sein, sagte er. Zudem gibt es Unterschiede bei der Ausbildung: Während in Deutschland jedem Polizisten ein einheitliches Basiswissen vermittelt wird, gibt es in Holland von Anfang an verschiedene „Funktionsebenen“. So wird beispielsweise nicht jeder Polizeianwärter als Waffenträger ausgebildet. „Für einige Bereiche braucht man solche Beamte nicht, sondern jemanden, der sich perfekt mit Sprache, Kultur und Religion einer anderen Nation auskennt“, sagte Welten.

Auch über die „Schattenseite“ der Migration, nämlich der steigenden Terrorgefahr durch Islamisten, konferierten die Teilnehmer. So gab es Vorträge über die vergangenen Anschläge in London, Madrid und Moskau. Aktuell wurde das Thema leider gleich am Dienstag: Bei Anschlägen in Ankara starben sechs Menschen, 80 wurden verletzt. Deshalb brach Ankaras Polizeichef Ercüment Yilmaz die Tagung ab und reiste zurück.

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