Berlin : Deutsche Allergie gegen türkischeFilme

Wie türkische Blätter über den Start des Films „Der letzte Osmane“ berichten

Suzan Gülfirat

Wie türkische Blätter über den Start des Films „Der letzte Osmane“ berichten Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) in Deutschland erregt wieder die Gemüter der türkischen Zuschauer. „Deutsche Allergie gegen türkische Filme“, titelte die Hürriyet am Sonntag zu dem Werbeplakat eines neuen türkischen Films. „Die europäischen Türken sind verärgert, weil nach dem Film ,Tal der Wölfe‘ jetzt auch ,Der letzte Osmane‘ für Zuschauer unter 18 Jahren verboten wurde“, erklärte die Zeitung in den Unterzeilen.

Tatsächlich läuft seit dem 1. Februar auch in drei Berliner Kinos ein neuer türkischer Spielfilm mit deutschen Untertiteln. Und wie bei dem umstrittenen Film „Tal der Wölfe“, der im Irak spielt, ist auch „Der letzte Osmane“ nur für Zuschauer ab 18 Jahren zugelassen. Dieser Film spielt während der Zeit der Besetzung der Türkei durch die Ententemächte am Ende des Ersten Weltkrieges im Jahre 1918. Auf den Filmseiten im Internet wird dieser Streifen unter dem Genretitel Actionfilm geführt, aber offensichtlich hat die Freiwillige Selbstkontrolle eine andere Meinung dazu. „Die deutsche Institution meint, dass er einseitig, extrem nationalistisch und zu gewalttätig ist“, beschwerte sich der Produzent in der Türkei gegenüber der Hürriyet.

Am Sonnabend zeigte die Zeitung auf einem der vielen Bilder fünf junge Türken aus Kreuzberg, Wedding und Neukölln vor einem Kino in Berlin. „Viele unserer Freunde können diesen wunderbaren Film, der ein Teil der türkischen Geschichte erzählt, wegen dieser irrsinnigen Altersbeschränkung nicht sehen“, zitierte sie die Hürriyet. In der Türkei dürfen den Film schon kleine Schulkinder ab sieben Jahren sehen. Sogar über die Altersbeschränkung in Holland von zwölf Jahren beschwerte sich die Hürriyet.

Der Held des Films ist dieses Mal ein Osmane namens Ali. Eines Tages begegnet er dem Offizier Mustafa Kemal, der später als Gründer der modernen Türkei in die Geschichte eingehen wird. „Die Straßen des Landes werden von feindlichem Terror und Verrat bestimmt. Ein jeder misstraut dem anderen. (…) Und ausgerechnet in dieser verräterischen Welt erkennt Ali, dass die Rettung des eigenen Landes unumgänglich ist“, heißt es im Internet zum Inhalt des Films.

Die Beschränkung bezeichnet die Central Film Vertriebs GmbH als „Zensur“, berichtete Hürriyet. Immerhin hätte der Film mehr Zuschauer, könnten ihn auch jüngere Türken sehen. Was die Hürriyet will, blieb jedoch im Dunkeln, weil sie keine überzeugende Filmkritik liefern konnte. Stattdessen stellte die Zeitung gewagte Mutmaßungen an. „In einer Szene bezeichnet ein deutscher Offizier Ali als Dummkopf, woraufhin Ali acht deutsche Offiziere nacheinander verprügelt“, berichtete die Zeitung am Sonnabend. „Ist es wegen der osmanischen Ohrfeige für den deutschen Offizier?“, titelte das Blatt dazu.

Jedenfalls berichtete die Hürriyet, dass die FSK am heutigen Montag noch einmal entscheiden wolle. Dabei beschwerte sich die Zeitung, dass die FSK die Namen der „Verantwortlichen“ nicht nennen wolle. Auch beim „Tal der Wölfe“ waren seinerzeit die höchsten Gremiumsmitglieder der FSK extra zusammengekommen. Aber auch sie entschieden, dass der Film für Jugendliche unter 18 Jahren nicht freigegeben wird.

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