Deutsche Bahn rüstet auf : Mehr Farbpatronen und Kameras gegen Automatenknacker

Schäden in Höhe von 6,7 Millionen Euro haben Einbrüche in Fahrscheinautomaten 2014 verursacht. Nun schützt die Bahn ihre Fahrscheinautomaten mit besserer Technik, wie künstlicher DNA, Farbpatronen und noch mehr Kameras.

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Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Farbe wirkt. Seitdem die Deutsche Bahn ihre Fahrscheinautomaten mit Farbpatronen sichert, die bei einem Aufbruch das Geld markieren, ist die Zahl der Taten deutlich zurückgegangen. Dies teilte am Dienstag der Sicherheitschef der Bahn, Gerd Neubeck, mit. Die Bahn will jetzt bundesweit bis zum Jahresende weitere 1000 Automaten umrüsten. Mittelfristig soll etwa die Hälfte der 7000 Automaten so ausgestattet werden. Zudem sollen auf 100 Bahnhöfen weitere 700 Kameras installiert werden, die auch die Automaten überwachen.

Täter bevorzugen ländliche Bahnstationen

Schwerpunkt der Aufbrüche seien Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und das Rhein-Main-Gebiet. Die Täter bevorzugen kleine Stationen auf dem Land; in Städten schlagen sie viel seltener oder gar nicht zu. Auch für die BVG seien Automatenaufbrüche kein Thema, sagte Sprecherin Petra Reetz. Zahlen zu den Taten in Brandenburg gab es nicht. Bundesweit seien im vergangenen Jahr 392 Geräte aufgebrochen worden. Ein Jahr zuvor waren es mit 560 Fällen noch rund 30 Prozent mehr. Die Beute sei meist gering, sagte Neubeck weiter, der Schaden aber hoch. 2014 habe er bei rund 6,7 Millionen Euro gelegen. Ein Automat koste etwa 30 000 Euro und müsse in der Regel nach einem Aufbruch ersetzt werden.

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Mehrere Banden wurden bereits festgenommen

Meist bohren oder schneiden die Täter die Geräte auf; Sprengungen wie bei Geldautomaten seien seltener, heißt es bei der Bahn. Und die Täter agieren in Gruppen. Der Bundespolizei sei es gelungen, mehrere Banden festzunehmen, sagte der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dieter Romann. Auch diese Fahndungserfolge schreckten Täter ab, ist er überzeugt. Die Farbkassetten, die es auch schon länger bei Geldautomaten der Banken gibt, sind von außen nicht zu sehen. Aufkleber sollen auf die zusätzliche Sicherung hinweisen – und abschrecken. Umgekehrt zeigen fehlende Hinweise, dass diese Geräte nicht durch Farbpatronen gesichert sind. Werde eine Geldkassette gekippt oder geschüttelt, platze die Patrone und spritze mit hohem Druck eine nicht ablösbare Farbe auf die Geldscheine, beschrieb Neubeck den Schutzmechanismus. Das Geld sei damit wertlos.

Häufigere Leerung, bessere Polizeistreifen, längere Haftstrafen

Doch die Bahn setzt nicht allein auf die Farbe. Weiter entwickelte technische Sperren und robusteres Material sollen Manipulationen noch schwieriger machen. Zudem würden die Kassetten noch häufiger geleert. Und die Bundespolizei, die für die Anlagen der Bahn zuständig ist, habe ihr Streifenkonzept verbessert. Ertappte Täter müssen mit mehrjährigen Haftstrafen rechnen, wie sie in der Vergangenheit verhängt worden seien, sagte Romann. Derzeit müssen sich drei jeweils 24 Jahre alte Männer vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Sie sollen unter anderem Fahrkartenautomaten gesprengt haben – vorwiegend in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Dafür sollen sie Sprengstoff aus Böllern in Flaschen umgefüllt haben. Auch gegen Kabeldiebe setzt die Bahn seit mehreren Jahren moderne Technik ein. Mittels künstlicher DNA kann die Herkunft der Kabel nachgewiesen werden. Seither ist nach Angaben der Bahn auch hier die Zahl der Taten erheblich zurückgegangen.

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