Deutsche Bahn : Schwierige Geschichte

Lange Zeit thematisierte die Bahn ihre Rolle in der NS-Zeit nicht. Erst mit der Neugründung der Deutschen Bahn AG 1994 hat sich das geändert.

Maike Westphal

Lange Zeit taten sich die Verantwortlichen sowohl bei der Bundesbahn als auch bei der Reichsbahn der DDR schwer damit, die dunklen Kapitel der deutschen Eisenbahngeschichte während des Nationalsozialismus zu thematisieren. Ein Mahnmal, das an die Opfer der Deportationen durch die Reichsbahn erinnerte, fehlte in beiden deutschen Staaten. Erst mit der Neugründung der Deutschen Bahn AG 1994 begann man, sich der Vergangenheit zu stellen. Seit zehn Jahren unterhält die Deutsche Bahn das Mahnmal „Gleis 17“ am Bahnhof Grunewald. Es erinnert an die über 50 000 jüdischen Bürger Berlins, die ab 1941 vor allem vom Bahnhof Grunewald aus in Waggons der Reichsbahn in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert wurden.

1996 gab die Bahn ein eigenes Forschungsprojekt zur Geschichte der Eisenbahn in Deutschland in Auftrag. Auf Grundlage der Ergebnisse zeigt das ehemals technisch orientierte Firmenmuseum in Nürnberg nun auch eine Dauerausstellung über die Rolle der Reichsbahn während der NS-Herrschaft. Den Themen Deportation und Zwangsarbeit sind eigene Räume gewidmet. Ein Besuch dieser Ausstellung ist Teil der Ausbildung bei der Deutschen Bahn.

Derzeit tourt die Wanderausstellung „Sonderzüge in den Tod – Die Deportationen mit der deutschen Reichsbahn“ durch deutsche Bahnhöfe. Die Ausstellung erinnert vor allem an das Schicksal jüdischer Kinder, die mit Zügen der Reichsbahn in die Konzentrationslager transportiert wurden. Die Ausstellung, die vor kurzem auch im Zwischendeck des Bahnhofs Potsdamer Platz zu sehen war, ging zurück auf eine Initiative von Serge und Beate Klarsfeld und konnte erst nach langem Streit gezeigt werden. Das Ehepaar Klarsfeld wollte die Ausstellung direkt auf den Bahnsteigen präsentieren, was Bahnchef Hartmut Mehdorn ablehnte. Er wollte die Schau nicht in den Bahnhöfen, sondern in deren Umgebung zeigen. Erst nachdem sich Bundesverkehrsminister Tiefensee in den Streit eingeschaltet hatte, lenkte die Bahn ein. Es wurde der Kompromiss gefunden, dass die ursprüngliche Ausstellung der Klarsfelds in Zusammenarbeit mit dem Centrum Judaicum und dem Deutschen Technikmuseum erweitert wurde und in den Bahnhöfen, aber nicht direkt auf den Bahnsteigen gezeigt wird.

Mit Blick auf die erneute Kritik verweist die Bahn darauf, dass sie auch weitere Projekte wie den Film „Der letzte Zug“ von Artur Brauner unterstützte. Zudem habe die Deutsche Bahn der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ im Jahr 2000 freiwillig einen hohen Millionenbetrag zur Verfügung gestellt. 

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