Deutsche Einheit : Jubiläum ohne Kohl?

Die Spekulationen über den Gesundheitszustand des Alt-Kanzlers schießen ins Kraut. Noch steht eine Zusage für den Festakt am 9. November aus.

Sabine Beikler

Zu Zeiten des Mauerfalls vor 20 Jahren zählten Michail Gorbatschow und George Bush senior zu seinen beiden wichtigsten politischen Weggefährten. Altbundeskanzler Helmut Kohl lobte einmal Bush als „Glücksfall“ und die „Weitsicht“ Gorbatschows, ohne die die friedliche Wiedervereinigung nicht gelungen wäre. Es war Helmut Kohl, der am 10. November 1989 seinen Polen-Besuch abbrach und noch am Abend vor dem Schöneberger Rathaus sprach.

Lange Zeit war es ruhig um den Altbundeskanzler geworden. Im April kündigte der „Kanzler der Wende“ nach mehrmonatigen Klinik- und Rehaaufenthalten als Folgen eines Sturzes an, zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in die Öffentlichkeit zurückkehren zu wollen. Ob er am 9. November bei den Feierlichkeiten anwesend sein wird, ist noch offen. „Er will“, heißt es aus seinem Umfeld. Sicher aber wird er am 31. Oktober seine Weggefährten Bush und Gorbatschow wiedersehen.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) will an diesem Tag auf einer nichtöffentlichen Veranstaltung im Friedrichstadtpalast die drei Staatsmänner für ihr damaliges Handeln würdigen. Als Gäste werden unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und der KAS-Vorsitzende und Ministerpräsident a. D. Bernhard Vogel erwartet. Die Laudatio wird Bundespräsident Horst Köhler halten.

Eine Bund-Land-Arbeitsgruppe koordiniert die Feierlichkeiten rund um den 9. November. „Wir befinden uns in der Abstimmung“, sagte der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej. Das Land Berlin richtet das „Fest der Freiheit“ aus. Am Abend des 9. November werden neben der Bundeskanzlerin und Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit die Staatsgäste Nicolas Sarkozy, Dimitri Medwedew, Gordon Brown, Hillary Clinton erwartet. Geplant sind Redebeiträge der früheren Bürgerrechtler Marianne Birthler, Katrin Hattenhauer und Roland Jahn, von Lech Walesa, Michail Gorbatschow, Hans-Dietrich Genscher sowie von José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, Jerzy Buzek, Präsident des Europäischen Parlaments, und dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus.

Altbundeskanzler Kohl ist ebenfalls eingeladen. Dass Kohl aber bei der Domino-Aktion anwesend sein wird, gilt als unwahrscheinlich. Aber vielleicht wird er am Nachmittag des 9. November bei der Veranstaltung der Bundesregierung dabei sein: Bundeskanzlerin Merkel, Klaus Wowereit, Michail Gorbatschow, die Präsidenten der Verfassungsorgane und „Akteure von damals“, wie es heißt, planen einen Gang über die Bösebrücke, den früheren Grenzübergang Bornholmer Straße.

Schon am Vorabend lädt Bundestagspräsident Norbert Lammert ein: Das Rundfunk-Sinfonie-Orchester des MDR wird im Paul-Löbe-Haus unter anderem Werke von Mendelssohn Bartholdy und Beethoven spielen. Als Redner sind Bundespräsident Köhler und die Bundeskanzlerin vorgesehen. Ob an dem Abend auch Helmut Kohl anwesend sein wird? Bestätigt ist das noch nicht. Sabine Beikler

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