Deutsche Einheit : Rückkehr der mächtigen Männer - vor fünf Jahren

Die drei Stadtkommandanten der Alliierten hatten vor der Einheit die Befehlsgewalt über West-Berlin. Vor fünf Jahren waren sie zu Gast - und erinnerten sich gern an die Begeisterung der Berliner für die alliierten Streitkräfte. Was Elisabeth Binder darüber schrieb.

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Mit Handschlag. Am 27. September 1990 verabschiedeten sich die Stadtkommandanten von Berlin (von links): Raymond G. Haddock (USA), Robert Corbett (Großbritannien) und François Cann (Frankreich) von der Autobahnkontrollstelle Dreilinden.
Mit Handschlag. Am 27. September 1990 verabschiedeten sich die Stadtkommandanten von Berlin (von links): Raymond G. Haddock (USA),...Foto: picture-alliance / dpa

Der Weg vom Mauerfall zur Wiedervereinigung dauerte nur wenige Monate, aber er war voller Stolpersteine. Der letzte britische Stadtkommandant Robert Corbett erinnert sich, wie er kurz nach dem Mauerfall früh um 3 Uhr zum Sowjetischen Ehrenmal an die Straße des 17. Juni gefahren ist. Er fürchtete, dass die Ressentiments der Leute die Soldaten dort zu Schüssen provozieren könnten, bat den Polizeipräsidenten, Beamte einzusetzen, sprach mit den sowjetischen Wachen. Es blieb friedlich und er bekam sogar ein Dankschreiben des als schwierig geltenden sowjetischen Generals.

Am Freitag kamen die letzten drei Stadtkommandanten West-Berlins zu einem späten Gipfeltreffen im Alliiertenmuseum zusammen. Neben Corbett auch Major General Raymond Haddock aus den USA und General de Division François Cann aus Frankreich. „Das Berlin, das wir zurücklassen, wird vereint und frei sein“, haben sie bei ihrem Abschied am 2. Oktober 1990 geschrieben.

Zu Mauerzeiten waren die Stadtkommandanten die mächtigsten Männer im westlichen Teil der Stadt. Von 1945 bis 1990 hatten sie unter anderem die Befehlsbefugnis über die West-Berliner Polizei. Sie galten auch als am besten informierte Männer, denn im Kalten Krieg galt Berlin als Hauptstadt der Spione. Trotzdem wurden auch sie vom Fall der Mauer komplett überrascht. In West-Berlin waren sie Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Haddock hatte, als die Mauer fiel, gerade 30 deutsche Gäste im US-Hauptquartier zu Besuch, als ein Mitarbeiter ihm erzählte, dass Menschen durch die Mauer in den Westteil kamen. „Das kann nicht sein“, sagte er. „Überprüfen sie das.“ François Cann erinnert sich an endlose Reden, die er bei einer Veranstaltung im Museum für Verkehr und Technik über sich ergehen lassen musste. Gerade hatte das Dinner begonnen, da reichte man ihm einen Zettel mit der Nachricht von der Maueröffnung. Corbett schließlich war auf einer Party, als sein Fahrer meldete, er werde dringlichst am Telefon verlangt. „Sie kommen“, sagte der damalige britische Gesandte. „Wer?“, fragte er zurück. „Die Russen?“

Im Kalten Krieg standen in West-Berlin 12 000 Mann, Soldaten der Schutzmächte und West-Berliner Polizei, den insgesamt 250 000 Soldaten gegenüber, die die Sowjetunion in der Umgebung stationiert hatte. „Es war klar, dass man damit nichts machen konnte“, erzählten die pensionierten Generäle. „Aber es war auch ein Statement. Hätten die Russen Berlin angegriffen, hätte das einen Krieg ausgelöst.“

Dass die Wiedervereinigung unter den europäischen Nachbarn nicht unumstritten war, kann der Amerikaner Haddock angesichts der Erinnerung an Hitler- Deutschland verstehen. Aber aus amerikanischer Sicht sei es die einzige Möglichkeit gewesen. „Am wichtigsten ist es doch, dass die Menschen heute frei sind“, sagte er.

Für François Cann präsentiert Berlin den „einzigartigen Fall in der Geschichte der Menschheit“, in dem siegreiche Armeen nach und nach von Besatzern zu Beschützern und schließlich Freunden wurden.

Auch Robert Corbett erinnerte sich noch gern an die Begeisterung der Berliner für die alliierten Streitkräfte, die das Soldatendasein in Berlin so angenehm machte: „Die Berliner wollten uns wirklich hier haben“. Für ihn lag der Schlüssel zur Wiedervereinigung immer in dieser Stadt, der Insel, die umgeben war von einem extrem feindlichen Umfeld. Irgendwann einmal will er das Tagebuch, das er in den aufregenden Zeiten zwischen November 1989 und Oktober 1990 geführt hat, als Buch veröffentlichen.

Die Sonderausstellung „Revisited – Standorte der Alliierten in Berlin“ ist noch bis zum 28. August 2011 täglich außer mittwochs von 10 bis 18 Uhr im Alliierten Museum, Clayallee 135 zu sehen.

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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