Berlin : Deutsche Engländer und fliegende Currywürste

Im Stadion, im Zug, vor dem Fernseher: Was Berliner Prominente während der WM erlebt haben

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Die vier Wochen Weltmeisterschaft werden den Berlinern in Erinnerung bleiben. Auch den Prominenten. Wir haben sie gefragt, welches persönliche WM-Erlebnis sie niemals vergessen werden:

Beim Spiel gegen Argentinien saß ich im Block D des Olympiastadions. Zwei Hertha-Fans neben mir waren verwundert, weil ich doch normalerweise in diesem Stadion immer auf der Trainerbank sitze. Egal, sie haben mich trotzdem in ihre Jubelorgien einbezogen. Ich hatte nachher direkt Schürfwunden am Hals. Falko Götz, Trainer von Hertha BSC

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Die WM war als Ganzes ein großartiger Moment. Dieses neue Nationalgefühl hat mich ein bisschen mitgerissen. Ja, auch ich hatte ein Deutschlandfähnchen am Auto. Der allerschönste Moment der WM war Kloses Tor gegen Argentinien: Das 1:1. Jetzt bin ich froh, dass die WM zu Ende geht. Die hat mich nämlich ganz schön von der Arbeit abgehalten. Christiane Paul, Schauspielerin

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Am Dienstag hatte ich die undankbare Aufgabe, direkt im Anschluss an unser Halbfinal-Aus auf Sendung zu gehen. Mit einer Comedy-Show – obwohl niemandem zu lachen zumute war. Gott sei Dank hatte ich mir vorher einige Witze über Pasta zurechtgelegt. Kim Fisher, Moderatorin

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Eines Abends am Breitscheidplatz. Ich unterhalte mich mit Kollegen. Plötzlich sind wir von weiblichen Fußballfans umringt. Singend und tanzend bedanken sie sich, dass wir Polizisten die fußballbegeisterten Berliner und ihre Gäste fröhlich, friedlich und gelassen durch die WM begleitet haben. Ich konnte das Lob zurückgeben: die Fans haben es uns leicht gemacht. Dieter Glietsch, Polizeipräsident

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Mein persönlicher Tiefpunkt: Als die deutschen Fans vor dem Halbfinale zur italienischen Hymne pfiffen. Niveaulos! Mein Höhepunkt: Als Ghana im Achtelfinale gegen Brasilien antreten musste – und der Torwart in seinem Kasten erstmal gebetet hat. Peter Lohmeyer, Schauspieler

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Beim Englandspiel gegen Trinidad und Tobago saß ich in Nürnberg im Stadion. Anschließend bin ich auf den Marktplatz und wollte eine größere Gruppe Fans in englischen Trikots und mit aufgemalten englischen Flaggen im Gesicht ansprechen. Und was ich erst gar nicht glauben konnte: Das waren alles gar keine Engländer, das waren Deutsche. Sir Peter Torry, britischer Botschafter in Berlin

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Die Streetball-Weltmeisterschaft in Kreuzberg war für mich das politisch bewegendste Ereignis – dort hat sich der Sport als völkerverbindend gezeigt. Besonders konnte man das an dem gemischten Team aus Israelis und Palästinensern sehen. Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister

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Ich habe mir das Spiel gegen Italien in einem italienischen Restaurant angeschaut. Und da waren ein paar deutsche Fans, die zur Nationalhymne sehr, sehr stramm standen und auch sonst nicht unbedingt sympathisch wirkten. Aber nach dem Spiel haben sie dann mit den Italienern gefeiert, und der Wirt gab Prosecco für alle aus. Da wurde mir klar: Eigentlich ist das Ganze doch bloß ein großes, friedliches Gejuxe. Lea Rosh, Initiatorin des Holocaust-Mahnmals

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Beim Vorrundenspiel gegen Polen fuhr ich im Auto und hatte das Radio an. Gegen Ende wurde es so spannend, dass ich rechts ranfahren musste – ich war eine ernsthafte Gefährdung für den Straßenverkehr. Fußball ist im Radio komischerweise viel spannender als im Fernsehen. Zum Finale setze ich mich wieder ins Auto. Peter Raue, Vorsitzender des Vereins der Freunde der Neuen Nationalgalerie

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Das Argentinienspiel habe ich mit Freund und Familie in meiner Wohnung gesehen. Als die Deutschen in Rückstand gerieten, bin ich in die Küche zum Currywurstmachen. Und gerade, als ich mit den leckeren Dingern zurück komme, schießt Klose sein 1:1. Alle reißen die Arme hoch, und ich seh meine Würstchen durchs ganze Zimmer fliegen. War trotzdem ein klasse Tor. Gülcan Karahanci, Moderatorin bei Viva

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Mein schönster Moment: Als Lahm gegen Costa Rica nach sechs Minuten das erste Tor geschossen hat. Irgendwie tragisch, wenn das Beste eines Turniers gleich zu Beginn des Eröffnungsspiels geschieht. Westbam, DJ

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„La Olas“ sind während einer WM ja keine Seltenheit. Aber beim Spiel Schweden gegen Paraguay war die Begeisterung so groß, dass zwei Wellen gleichzeitig durchs Olympiastadion kreisten. Selbst VIP- und Pressebereich haben mitgemacht. So was habe ich noch nie gesehen. Aber dit is eben Berlin. Peter von Löbbecke, Manager des Olympiastadions

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Als das Spiel gegen Argentinien lief, saß ich im Zug von Hannover nach Berlin. Der Schaffner gab über Lautsprecher das 1:0 für Argentinien durch. Dann korrigierte er sich: Das Tor sei für Deutschland gefallen. Kurz darauf: Nee, doch für Argentinien. Und dann: Entschuldigung, war doch für Deutschland. Das ganze Abteil schaute verwirrt. Zum Glück hat das Spiel lange gedauert – zum Elfmeterschießen saß ich bereits zu Hause vor dem Fernseher. Nicht auszudenken, ich hätte das Ende nur über den Schaffner mitbekommen. Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Universität

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Viele Erlebnisse rund um diese Fußball-WM haben sich tief in meine Erinnerung eingebrannt. Das schönste Erlebnis ist aber, dass es Terroristen, Hooligans und Extremisten nicht gelungen ist, dieses einmalige Fest zu stören. Wolfgang Schäuble, Bundessportminister

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Ich hätte nicht gedacht, dass wir Deutschen so leidenschaftlich sein können. Davon ist vor allem das Ausland überrascht. Außerdem haben wir gezeigt, dass wir ausgesprochen ausländerfreundlich sind. Das ist für mich wichtiger als Tore und Titel. Boris Becker

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Vor unserem Viertelfinalspiel war ich aufgeregt, als müsste ich zur Führerscheinprüfung und Matheklausur gleichzeitig. Während des Spiels habe ich so laut gegrölt wie noch nie – und ich gröle auch normalerweise ziemlich laut. Der Lärm bleibt unvergesslich, schon allein wegen des Pfeifens in meinem Ohr. Markus Kavka, MTV-Moderator

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Gegen Argentinien saß ich im Olympiastadion. Ich hatte vorher schon mehrere Elfmeterschießen live erlebt, aber noch nie bei einem Länderspiel. Extrem stressige Erfahrung. Und als Zugabe musste ich dann noch mit ansehen, wie Oliver Bierhoff – mein ehemaliger Co-Moderator – in Ringkämpfe mit durchgeknallten Argentiniern verwickelt wurde. Mein schlimmstes WM-Erlebnis: Die Halbfinal-Niederlage gegen Italien. Und dass ich nach diesem schreiend ungerechten Spiel vor die Fernsehkameras treten musste. Anstatt mich, wie die Natur es vorgesehen hat, leise weinend zu betrinken. Oliver Welke, Moderator

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Ich habe mich mein ganzes Leben nie für Fußball interessiert. Bis jetzt. Man könnte sagen: Dieses Jahr habe ich Fußball gelernt und verstanden. Das waren hinreißende Spiele, die ich im Fernsehen verfolgt habe. Ich denke, Fußball könnte mein neues Hobby werden. Ein Stadion werde ich aber nicht betreten. Judy Winter, Schauspielerinsle/dma/hstr

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