Deutscher Filmpreis : Die Frau aller Träume heißt Lola

Regisseure, Boxer, Entertainer - auch viel Neues erfuhr man an diesem Abend. Wie die deutsche Kinobranche ihren wichtigsten Preis feierte.

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Für Lebenswerk und Lebenswerk: Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase (l.) erhält eine Lola für sein eigenes, Regisseur Wim Wenders eine für den Film über das der Choreographin Pina Bausch.
Für Lebenswerk und Lebenswerk: Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase (l.) erhält eine Lola für sein eigenes, Regisseur Wim Wenders eine...Foto: dapd

Richtig herausgeputzt hatte man ihn. Acht Jahre alt, und schon im dunklen Anzug, die Krawatte perfekt, schwarzglänzende Schuhe – alles tiptop. Erwartungsvoll stand Rafael Koussouris, der rührende kleine Junge aus „Almanya“, im Eingangsbereich des Friedrichstadtpalasts, sich der Bedeutung dieses Freitagabends deutlich bewusst – bis sein Blick nach unten fiel: „Oh, mein Schuh ist aufgegangen.“ Zum Glück stand Mama daneben.

Tja, auch das sind so die Sorgen der Stars, der kleinen wie der großen. Eine perfekte Garderobe, das ist schon die halbe Miete, keine wüsste das besser als Barbara Schöneberger: „In jedem engen Kleid steckt eine Frau, die herausmöchte“, das ist so eine ihrer Weisheiten. Aber das kann nicht so schwer sein, denn bei der Gala für den Deutschen Filmpreis ging das mehrfach wie geschmiert: Gerade runter von der Bühne, schon ist sie wieder da, paillettenglitzernd, mal silbern, mal schwarz, zuletzt in Gold. Aber was heißt Pailletten: Zigtausende kleiner Sonnenkollektoren seien das, erklärt sie, der fabrizierte Strom reiche aus, um eine Kaffeemaschine ein Jahr lang zu versorgen.

Das ist so ihr Witz, den beherrscht sie perfekt, und auch wenn das Selbstironisch-Figürliche dabei eine übergroße Rolle spielt – macht nichts, man lacht doch, und davon kann so ein Abend nie genug kriegen. Denn bei den Dankesreden der Prämierten gibt es meist nichts zu lachen, schließlich sind wir nicht in Hollywood.

Yasemin (links) und Nesrin Samdereli freuten sich über Filmpreise für „Almanya - Willkommen in Deutschland“.
Yasemin (links) und Nesrin Samdereli freuten sich über Filmpreise für „Almanya - Willkommen in Deutschland“.Foto: dpa

Ergriffenheit, Fassungslosigkeit, Tränen, ein in stillem Freudenschrei aufgerissener Mund, Sprachlosigkeit, Triumph – alles da, nur nach Witz, Humor muss man lange suchen. Aber dass einer der Geehrten passend zum Film über eine Elefantenführerin einen aufblasbaren Dickhäuter mit auf die Bühne bringt, ist immerhin ein Anfang.

Ohnehin schien der Abend anfangs von etwas getragener Stimmung, boten doch Bruno Ganz und Iris Berben, die Präsidenten der Filmakademie, zur Einstimmung vor allem Nachdenklich-Besinnliches, zu Japan beispielsweise, was aber viel solidarischen Beifall gab. Auch später tauchten hin und wieder gedämpfte Momente auf, bei der Erinnerung an die Toten des Jahres sowieso, aber diesmal hat zum Glück niemand zwischendurch geklatscht. Das sollte man anders machen als im Vorjahr, habe Bernd Eichinger ihm geraten, erzählte vorher Florian Gallenberger, einer der künstlerischen Leiter des Abends. Schließlich sei jeder vor dem Tod gleich, Extraapplaus also unangebracht. Das war drei Tage vor Eichingers Tod – eine letzte Bitte, sie wurde erfüllt: Alle erhoben sich, standen still, geklatscht wurde danach.

Der Schauspieler Richy Müller erhielt eine „Lola“ in der Kategorie „Beste männliche Nebenrolle“ für seinen Auftritt in „Poll“.
Der Schauspieler Richy Müller erhielt eine „Lola“ in der Kategorie „Beste männliche Nebenrolle“ für seinen Auftritt in „Poll“.Foto: dapd

Doch trotz allen Gedenkens, aller Wehmut, trotz der teils weitschweifigen Dankesreden, die durch die Musikregie hin und wieder gebremst werden mussten – es blieb doch ein kurzweiliger Abend, schon wegen der Gäste, die man bei solch einer Gala nur selten sieht. Helge Schneider beispielsweise, der vor seinem Auftritt im nahen Admiralspalast schnell noch die Lolas für Ton und Musik „verteilte“ und einiges von seiner Bühnenweisheit zum Besten gab: „Was wäre die Filmmusik ohne den Film?“ Oder wenig später Wladimir Klitschko, demnächst mit Bruder Witali in einem Dokumentarfilm zu bewundern und nun Laudator für die beiden Nominierten dieses Genres. Ein baumlanger Kerl, der besser boxen als moderieren kann, aber ein netter.

Auch viel Neues erfuhr man an diesem Abend, Wikileaks sei am Spiel, behauptete die Schöneberger und verriet auch gleich, warum Til Schweiger seinen Erfolgsfilm „Kokowääh“ nicht „Pizza Napoli“ genannt habe wie zunächst geplant: „Er wusste nicht, wie man das schreibt.“

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