Berlin : Deutscher Filmpreis: Vorhang auf für die goldene Lola

Matthias Oloew

Kein Pardon für Isa von Hardenberg. Auch Berlins wichtigste Party-Gräfin kommt nicht ohne Legitimation in die Staatsoper herein. Sie muss auf dem Absatz kehrt machen, durch die Regenpfützen waten und sich einen Hausausweis ausstellen lassen. Isa von Hardenberg ist Veranstaltungs-Profi und akzeptiert das ohne zu maulen. Denn sie weiß: Wenn so wichtige Ereignisse ins Haus stehen, dann darf nicht jeder X-Beliebige hier hereinstürzen und den Aufbau stören: die Handwerker beim Zusammenzimmern der Bühne; die Lichttechniker beim Ausrichten der Scheinwerfer; die Fernsehleute beim Positionieren der Kameras.

17 Stück werden am heutigen Freitag das Ereignis einfangen, 12 im Saal, fünf davor, am Roten Teppich, Unter den Linden. Über den werden ab 18 Uhr 30 über 1200 prominente und weniger prominente Gäste laufen, um dabei zu sein, wenn der Deutsche Filmpreis verliehen wird. Im Parkett werden dann die Wichtigsten von ihnen sitzen, nämlich diejenigen Schauspieler, Regisseure und Produzenten, die jeweils für eine der Lolas (so heißt der Filmpreis mittlerweile) nominiert sind. Der wichtigste Gast ist aber der Kanzler. Gerhard Schröder wird die Gala eröffnen, deswegen extra die Ministerpräsidentenkonferenz unterbrechen, und deshalb ganz vorne sitzen. In den Reihen dahinter: Franka Potente, Hannelore Elsner, Moritz Bleibtreu, Ben Becker...

Die Sitzordnung ist genau festgelegt und ein langer Abspracheprozess. Wer da alles mitzureden hat! Das Bundeskanzleramt und der Staatsminister für Kultur (aus deren Etats kommen die Preisgelder), die Produktionsfirma (die genau weiß, welcher Star wann im Schweinwerferlicht sitzen muss) und die Sponsoren (die Geld locker machen, damit die Gala möglichst glamourös ausfällt). Jetzt stehen auf den Sesseln, wo die wichtigsten Leute sitzen werden, schwarze Plakate mit ihren Konterfeis. Und oben auf der Bühne laufen sich Susan Atwell und Götz Alsmann warm. Die beiden werden heute zum zweiten Mal die Lola-Verleihung moderieren. "Das wird wieder mein größter Tag", sagt Alsmann und seine Kollegin gesteht: "Man verläuft sich noch immer in den Katakomben der Oper."

Für Isa von Hardenberg jedoch vertrautes Terrain. Jetzt hat sie ihren Ausweis, darf hoch offiziell herein und schaut sich um. Letzte Absprachen gilt es zu treffen. Denn nichts ist wichtiger, als die Filmpreisverleihung perfekt zu inszenieren. Vorhang auf. Matthias Oloew

Positives Denken zählt unter Amerikanern zu den höchsten Tugenden. Zum Glück. Unter anderem hilft es wahrscheinlich dabei, die ganzen Alien-Filme zu überstehen, mit denen die Kinos dort ausgeleuchtet werden. Das Privileg der Gäste bei Filmpremieren: Viele von ihnen sehen Filme, für die sie normalerweise nicht ein Kino aufsuchen würden, es sei denn, um ihre Kinder dort abzusetzen. Zum Beispiel "Evolution", uraufgeführt im Cinestar vom Sony-Center. Das Glibbermassen-Spektakel dreht sich um einen außerirdischen Meteoriten, dem Lebewesen entspringen, die in Stunden Entwicklungen durchmachen, zu denen die Menschheit Millionen Jahre gebraucht hat. Außerdem kommen einige Wissenschaftler vor, die sich um nichts ernsthafte Sorgen machen, weshalb es auch kein gruseliger, aber streckenweise doch reichlich würmer- und tentakellastiger Film ist. Das könnte Kinogängern, denen es nicht gelungen ist, im Herzen immer 14 zu bleiben, zu schaffen machen, allerdings ist die Grundstimmung auf Premieren zunächst mal freundlich, weshalb man sich einigte, dass dies, als Sommerkost genossen, vielleicht verdaulich sei. So allzu viele "Yippie-Rufe", zu denen der Gastgeber aufgerufen hatte ("Lassen Sie Ihren Gefühlen freien Lauf") waren allerdings nicht zu hören, der Monsterschleim lud eher zum schlichten "Iiiieee" ein, aber dazu waren die Zuschauer auch zu höflich.

Columbia-Chef Jürgen Schau stellte dann noch live den "Hero of Comedy" Ivan Reitman vor ("Premieren sind so formell, ziehen Sie einfach Ihre Schuhe aus.") Außerdem ließen sich die Hauptdarsteller David Duchovny, Sean William Scott und Orlando Jones beklatschen. Dem Geständnis, dass die Truppe dem Film um die ganze Welt nachreist, folgten ein artiger Dank und ein kerniges "God bless America". Grad so als wäre man doch in Hollywood. Dabei war es nur der Höhepunkt der kleinen Columbianale, die Jürgen Schau in seinem unermüdlichen Bemühen, Hollywood Glamour in die Stadt zu bringen, im Vorfeld der morgigen Lola-Verleihung organisiert hat. Das begann, wie berichtet, mittelalterlich am Montag und sollte in der Zukunft enden mit "Final Fantasy." Shawne Fielding erschien in der Rolle einer Patin und durfte zur Belohnung während der Vorführung mit den Evolution-Stars essen gehen. Die anderen bekamen in der ehemaligen Musicbox zum Beispiel Strammen Max mit Wachtelspiegeleiern. Als die Hauptdarsteller gegangen waren, blieb immer noch Anouschka Renzi als schönes Fotomotiv im Evolutions-Terrarium.
Elisabeth Binder

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