• "Deutscher Postcode-Lotterie": Im Sommer startet alternatives Glücksspiel für einen guten Zweck

Berlin : "Deutscher Postcode-Lotterie": Im Sommer startet alternatives Glücksspiel für einen guten Zweck

Suzan Gülfirat

In Berlin wird im Sommer eine neue Zahlenlotterie starten. Die Haupstadt steht sogar als Standort für die Zentrale des alternativen Glücksspiels zur Diskussion. 250 Arbeitsplätze sollen nach Angaben des Lotterie-Unternehmens dadurch entstehen. Vor wenigen Tagen hat der Senat der "Arbeitsgemeinschaft Neue Bundeslotterie" (ARGE) die Erlaubnis erteilt. Die Lotto-Initiative darf nun in Berlin für die so genannte "Deutsche Postcode-Lotterie" werben. Bisher waren die Zahlenspiele nur der staatlichen Lotto-Gesellschaft erlaubt.

Die neue Lotterie wird nach folgendem Prinzip funktionieren: Die Berliner sollen Werbebriefe mit einem Coupon der "Deutschen Postcodelotterie" der Umwelt- und Entwicklungsverbände erhalten. Dieser Brief muss von den Spielern zurückgeschickt werden - gegen Zahlung von fünf Mark. Bei der Ausspielung soll in einer Fernsehshow eine Postleitzahl gezogen. "Der Hauptgewinn wird dann unter allen Personen, die aus diesem Gebiet mitgespielt haben, aufgeteilt", sagt Udo Weiß, der Sprecher der Lotto-Initiative ARGE. Es sei ein durch unzählige Instanzen geprüftes System. "Sie werden sehen, es macht Spaß."

Richtig reich wird am Anfang jedoch kein Spieler. Die Gewinnsumme hängt davon ab, wie viele Menschen mitspielen. Udo Weiß gibt eine Summe wie etwa 300 000 Mark an, die unter den Gewinnern verteilt wird. "Der gemeinnützige Aspekt muss für den Spieler wichtiger sein", sagt Udo Weiß. In den Niederlanden, wo es die Lotterie seit 11 Jahren gibt, mache inzwischen jeder Zweite mit. Dort könnte mittlerweile ein einzelner Spieler einen Millionenbetrag gewinnen.

Bereits 1993 gründeten acht große Naturschutz- und Entwicklungshilfeorganisationen - unter anderem Misereor, BUND, Deutsche Welthungerhilfe, WWF und Unicef - die Lotto-Initiative. Mit den Überschüssen sollen Umwelt- und Entwicklungsprojekte gefördert werden. Wenig später beantragte die Initiative in sämtlichen Bundesländern die Zulassung ihres Postleitzahlen-Glücksspiels. Doch alle Bundesländer lehnten ab. Als Begründung hieß es unter anderem, dass die Lotterie-Betreiber keine ausreichenden Unterlagen vorgelegt hätten oder dass die Zulassung die "Spielsucht" fördere.

1996 verklagten die Initiatoren unter anderem das Land Berlin, um eine Genehmigung für die Lotterie zu erhalten. Den Weg zum Lotteriestart machte der Senat vor wenigen Tagen mit einer außergerichtlichen Einigung frei. Eine Rolle spielte dabei eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts. Das oberste Verwaltungsgericht hatte in einem Musterprozeß im Juni 2000 das Land Niedersachsen dazu verurteilt, der Lotto-Initative die Betriebsgenehmigung zu erteilen.

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Sprecher Udo Weiß sagt, er sei optimistisch, dass die Verbände auch in den anderen Bundesländern Erfolg haben werden. Gegenwärtig halten die übrigen Bundesländer aber noch an der Ablehnung der Lotterie fest. Zumindest in Berlin und Niedersachsen aber soll die Lotterie für den guten Zweck im Sommer starten. Dann haben es allein die Mitspieler in der Hand, ob die "Postcode-Lotterie" ein Erfolg wird.

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