Deutscher Schulpreis : Berlin und Potsdam machen Schule

Drei Schulen in Berlin und Potsdam wurden am Mittwoch mit dem Deutschen Schulpreis geehrt. Was macht sie so besonders?

von und Stefan Engelbrecht
Gemeinsam lernen. An der alternativen Kreuzberger Schule für Erwachsenenbildung (SFE) gestalten die Schüler ihren Unterricht weitgehend selbst.
Gemeinsam lernen. An der alternativen Kreuzberger Schule für Erwachsenenbildung (SFE) gestalten die Schüler ihren Unterricht...Foto: Robert Bosch Stiftung/Theodor Barth

Bundesweiter Erfolg für drei Schulen in Berlin und Potsdam: Die Schule für Erwachsenenbildung (SFE) im Kreuzberger Mehringhof, die Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule in Steglitz-Zehlendorf und das Potsdamer Humboldt-Gymnasium wurden am Mittwoch mit dem renommierten Deutschen Schulpreis der Robert Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung geehrt. Die Jury bewertete sechs Qualitätsbereiche: „Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution.“ Die SFE und das Humboldt-Gymnasium erhalten als Preisgeld jeweils 25.000 Euro, die Anna-Essinger-Schule bekommt 10.000 Euro.

Der mit 100.000 Euro dotierte Hauptpreis geht an die „ Grundschule auf dem Süsteresch“ in Schüttorf (Niedersachsen). Zwei weitere Nebenpreise in Höhe von 25.000 Euro erhalten die Freiherr-vom-Stein Gemeinschaftsschule in Neumünster und die St. Nicolai-Schule auf Sylt.


Was macht die drei ausgezeichneten Schulen so besonders?

SCHULE FÜR ERWACHSENENBILDUNG
Dort können junge Erwachsene den Mittleren Schulabschluss oder das Abitur nachholen. Weitgehend selbstverwaltet und selbstbestimmt sollen sie an dieser privaten alternativen Schule lernen. Es gibt keine Noten - „und das bereits seit 43 Jahren mit großem Erfolg“, betonten die Jurymitglieder.
Wer aus verschiedensten Gründen seinen unterbrochenen Bildungsweg an der SFE wieder aufnimmt, soll entsprechend gewertschätzt und in seiner Persönlichkeit gefördert werden. „Unterricht auf Augenhöhe, an den besonderen Interessen eines jeden Schülers orientiert“, lautet das Motto. Konkret können die Schüler Arbeitsschwerpunkte und Lehrmaterialien selbst bestimmen und so auf die Gestaltung ihres Unterrichtes entscheidend Einfluss nehmen. Statt Konsumieren stehen „Selbstverantwortung und der eigene Gestaltungswille“ im Vordergrund. Beispielsweise gibt es viele kleine selbstorganisierte Lernzirkel, in denen sich die Schüler auch gegenseitig helfen.
Die Erfolgsquote der Kreuzberger SFE ist hoch: Rund 70 Prozent schaffen das Abitur, beim MSA sind 80 bis 90 Prozent erfolgreich. Wer im Mehringhof einen höheren Schulabschluss nachholt, muss derzeit ein monatliches Schulgeld von 160 Euro zahlen, kann aber Bafög beantragen. Die Schule wird vom Land nicht gefördert.

HUMBOLDT-GYMNASIUM POTSDAM
Alle an einem Strang. So könnte man das Konzept des Potsdamer Humboldt-Gymnasiums beschreiben. Die rund 700 Schüler können mitbestimmen, es gibt sogenannte Aktivteams, die Ideen und Vorschläge für einen besseren Unterricht machen. Gemeinsam wird dann geprüft, was davon umgesetzt werden kann. Schulleiterin Carola Gnadt versteht sich als Teamplayer und lobte nach der Preisverleihung am Mittwoch vor allem ihre Lehrer – und auch die Schüler. Diese hätten einen wesentlichen Anteil an dem Erfolg, sagte sie. Das Motto der Schule lautet „Stärken stärken – schwächen schwächen“. Es gibt hier Förderangebote für Begabte und eben auch für schwächere Schüler. Die Erziehung von Werten und die Persönlichkeit der Schüler sind dem Gymnasium wichtig. So sah es auch die Jury des Deutschen Schulpreises. Besonders hervorgehoben wurden in der Laudatio das herausragende Ganztagsangebot und Schulleben sowie die Begabtenförderung. Die Schule werde auch von den Schülern getragen und mit Energie gefüllt. Das stärke das Selbstvertrauen und ermutige dazu, kreativ zu sein.

Jubel, Trubel. Schüler und Lehrer des Potsdamer Humboldt-Gymnasium feiern ihren Schulpreis.
Jubel, Trubel. Schüler und Lehrer des Potsdamer Humboldt-Gymnasium feiern ihren Schulpreis.Foto: Robert Bosch Stiftung


Auch das Engagement der Schüler im privaten Bereich wird unterstützt. So halfen viele 2015 bei der Betreuung der Flüchtlinge, die in der benachbarten Erstaufnahmeeinrichtung in der Heinrich- Mann-Allee ankamen. Im Frühjahr wurde ein Stadtplan für Flüchtlinge verteilt, den die Jugendlichen initiiert hatten. „Wir haben ein Urvertrauen in die Leute, die agieren“, sagte Schulleiterin Carola Gnadt bei einem Besuch der Jury für den Schulpreis. Damit meinte sie nicht nur die Lehrer, sondern auch ihre Schüler. Diese hatten die Juroren stolz durch alle Räume geführt.

ANNA-ESSINGER GEMEINSCHAFTSSCHULE
Vertrauen in die Schüler, Wertschätzung und Eigenverantwortung – darauf wird an dieser Schule nach den Montessori-Prinzipien viel Wert gelegt. In den Klassen wird oft altersübergreifend unterrichtet: Siebtklässler lernen gemeinsam mit Acht-, Neunt- und Zehntklässlern. Noten gibt es erst ab Klasse 9. Und wenn die Schüler Konzentrationsprobleme haben, gehen sie auf den Flur oder spielen eine kurze Runde Tischtennis. Das gehört zum präventiven Konzept. „Wenn man sich nicht konzentrieren kann, hilft kein Zwang“, sagt Rektorin Eva Schmoll. „Dann ist eine Auszeit besser.“

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