Berlin : Deutschkurs für Vorschüler bekommt gute Noten

Opposition und Türkischer Bund begrüßen Bögers Pläne für ein verbindliches Sprachprogramm

Susanne Vieth-Entus

Die Nachricht erreichte Safter Cinar in der Türkei – und er war begeistert: Der Sprecher des Türkischen Bundes ist „200-prozentig dafür“, dass Kinder schon vor der Einschulung an einem verbindlichen Deutschkurs teilnehmen müssen. Die entsprechenden Pläne von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) hatte der Tagesspiegel jetzt publik gemacht. Alle Parteien sehen darin einen entscheidenden Schritt, um die schulischen Chancen von Ausländerkindern sowie benachteiligten deutschen Kindern zu verbessern.

Kürzlich hatten Sprachtests bei 26 700 Vorschülern ergeben, dass fast die Hälfte der Kinder sprachlich gefördert werden müsste, um dem Unterricht folgen zu können. Bei über 5000 Mädchen und Jungen – darunter 1430 deutsche – wurde sogar ein „intensiver Förderbedarf“ festgestellt. Zumindest diese Gruppe soll nach dem Willen Bögers künftig sechs Monate vor Schulbeginn an Deutsch-Pflichtkursen teilnehmen.

Der Senator hat gute Chancen, sein Vorhaben im neuen Schulgesetz zu verankern. Denn nicht nur die eigene Fraktion begrüßt die vorgezogene Sprachförderung, sondern auch die Opposition. „Das bringt uns weiter“, meint CDU-Bildungsexperte Gerhard Schmid. Es komme aber darauf an, das Vorhaben rechtlich abzusichern, da der Kurs vor Beginn der Schulpflicht einsetzt und damit vorfristig in das Elternrecht eingreift. Zustimmung kommt auch vom grünen Bildungspolitiker Özcan Mutlu sowie von der FDP-Schulpolitikerin Mieke Senftleben, die lediglich fürchtet, das Ganze könnte eine Ankündigung bleiben. Danach sieht es aber nicht aus.

Die Schulverwaltung ist entschlossen, alle Hürden aus dem Weg zu räumen. Dies bedeutet allerdings, dass mindestens 150 Stellen beschafft werden müssen – womöglich auch durch Umschichtungen aus den Oberschulen. Dass dies geht, hat unlängst Hessen bewiesen. Das Land bot bereits 2002/03 für über 5000 Vorschüler Deutschkurse an. Allerdings auf freiwilliger Basis. Wer nicht teilnahm und auch anderweitig kein Deutsch lernte, trug das Risiko, ein Jahr vom Schulbesuch zurückgestellt zu werden. Diesen Weg wollte Berlin nicht gehen: Hier werden Rückstellungen gerade abgeschafft, damit die Kinder womöglich nicht noch ein Jahr länger von den Eltern zu Hause nicht besonders gefördert werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar