Berlin : Deutschkurs wird Pflicht

Sprachkenntnisse sollen vor Einschulung nachgewiesen werden

Susanne Vieth-Entus

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) will verbindliche Deutschkurse vor der Einschulung anordnen, damit alle Kinder dem Unterricht von Anfang an folgen können. Die Kurse sollen ein halbes Jahr dauern und an Kitas oder Grundschulen stattfinden. Wie Böger gestern dem Tagesspiegel sagte, soll das neue Schulgesetz, das heute ins Parlament kommt, entsprechend ergänzt werden.

Ein Gesetz ist notwendig, weil das Erziehungsrecht der Eltern berührt wird. Nur dann können sie zu einer Teilnahme ihrer Kinder an einem verbindlichen Kurs vor der Einschulung gezwungen werden. Trotz dieser Hürde hat sich die Senatsbildungsverwaltung vor wenigen Tagen dazu entschlossen, um das Sprachproblem der Grundschüler in den Griff zu bekommen.

„Wir glauben zwar nicht, dass wir alle Defizite in sechs Monaten aufholen könne, aber wir wollen den Rückstand wenigstens verringern“, beschreibt Bögers Referatsleiter Tom Stryck das Ziel. Zunächst soll bei der regulären Einschulungsuntersuchungen ein Test gemacht werden, der klärt, ob ein Kind genug Deutsch spricht. Die Erfahrung aus den bisherigen Sprachuntersuchungen zeigt, dass selbst unter Kindern mit zwei deutschsprachigen Elternteilen etwa jedes zehnte so schlecht Deutsch spricht, dass es dem Unterricht nicht optimal folgen kann. Dies bedeutet, dass auch solche Kinder zu den neuen Sprachkursen verpflichtet werden können.

Unklar ist noch, wer diese Kurse abhalten soll und in welchem Stundenumfang. Laut Stryck ist es denkbar, dass speziell fortgebildete Erzieher diese Aufgabe übernehmen. Allerdings handele es sich um ein „anspruchsvolles Programm“, weshalb man vielleicht auch Lehrer hinzuziehen solle. Das ist noch nicht geklärt. Zudem muss zunächst ein geeignetes Testverfahren für die Kinder entwickelt werden. Dies braucht einige Zeit, sodass die Erstklässler 2004 von den Sprachkursen noch nicht betroffen sind.

Der vorschulische Sprachkurs ist nur eine von vielen zusätzlichen Anstrengungen, die Berlin unternehmen will, um endlich die Sprachprobleme der ausländischen Kinder in den Griff zu bekommen, von denen jedes vierte keinen Schulabschluss erreicht. Bei der gestrigen Vorstellung des Bildungsberichts zur Fusion Berlin-Brandenburg unterstützte Böger den Vorschlag der Bildungskommission, aus den weniger problematischen Bezirken Gelder in die Brennpunktregionen umzuleiten. Damit sollen etwa Deutschstunden an Nachmittagen, sonnabends oder in den Ferien finanziert werden.

Erleichtert zeigte sich Böger darüber, dass die Kommission unter Vorsitz von Deutschlands Pisa-Chef Jürgen Baumert ausdrücklich davon abrät, die Schülerschaft mittels „Bussing“ künstlich zu durchmischen. „Es ist ein Irrglaube, dass man Kinder Hin- und Herschaffen kann“, so Böger. Laut Baumert hat das Bussing bisher nirgends funktioniert. Wichtiger sei es, die Familien in die Schulen zu holen – etwa durch Deutschkurse für ausländische Mütter.

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