Deutschland - Holland : 17-Jähriger auf Fanmeile ausgeraubt

13.06.2012 21:02 Uhrvon , Saara Wendisch, Hanna Gieffers
Wieder voll: Auch beim zweiten Spiel der deutschen Elf, dem Klassiker gegen Holland, war die Berliner Fanmeile der Schwerpunkt der Feierlichkeiten in der Hauptstadt. Und genug Grund zum Jubeln gab es ja auch. Deutschland gewann 2:1. Foto: dpa
Wieder voll: Auch beim zweiten Spiel der deutschen Elf, dem Klassiker gegen Holland, war die Berliner Fanmeile der Schwerpunkt der Feierlichkeiten in der Hauptstadt. Und genug... - Foto: dpa

Update Auf der Berliner Fanmeile feierten mehr als 100 000 Fans den 2:1-Sieg der Deutschen gegen Holland - größtenteils friedlich und fröhlich, ein Jugendlicher aber wurde Opfer eines Raubs. Andernorts feierten die Berliner mit Autokorsos und Straßenpartys.

Zwei unbekannte Täter haben auf der Fanmeile am Brandenburger Tor einen 17-Jährigen überfallen. Die Räuber griffen den Jugendlichen, der auf dem Weg zur Toilette war, nach dem Spiel Deutschland gegen Niederlande am späten Mittwochabend auf dem Platz des 18. März an und hielten ihm ein Messer an den Hals, wie ein Polizeisprecher am Donnerstag sagte. Sie raubten ihm demnach seinen Geldbeutel und sein Handy. Anschließend ergriffen sie die Flucht. Das Opfer blieb unverletzt.

Abgesehen von diesem Raub aber habe es auf der Fanmeile keine nennenswerten Vorkommnisse gegeben, hieß es bei der Polizei am Morgen. Auch die Autokorsos seien ohne Probleme über die Bühne gegangen.

Insgesamt hätten sich rund 3000 Menschen beteiligt.

Zur Fanmeile kamen den Veranstaltern zufolge rund hunderttausend Menschen, andere sprachen von rund 63 000 Besuchern. Mit Anpfiff wurden die Eingänge geschlossen. 99 Prozent der Besucher fieberten mit Deutschland, berichten unsere Beobachter. Bei den beiden Toren für Deutschland war die Begeisterung groß. Eine junge Frau, die erst vor zwei Wochen aus Amsterdam nach Berlin gezogen ist, schaute ein wenig traurig, als ihre beiden deutschen Freundinnen in Jubel ausbrachen. "Ich wünsche mir ein Unentschieden", sagte sie.

Sehen Sie hier, wie Fans in Berlin und anderswo das Spiel feierten:

Die deutschen Fans hofften aber natürlich auf einen Sieg ihrer Mannschaft - und die Polizei hoffte auf einen friedlichen Abend. Beim ersten Spiel der Deutschen gegen Portugal hatte es am Sonnabend 33 vorläufige Festnahmen auf der Fanmeile gegeben. Bei einigen Randalen nach dem Spiel waren weitere Personen wegen des Verdachts auf Körperverletzung festgenommen worden. Drei Polizisten erlitten während der Einsätze durch abgefeuerte Pyrotechnik ein Knalltrauma. Solche Ereignisse wiederholten sich am Mittwochabend nicht.

Das lag zum einen daran, dass Flaschen, Stöcke und Knallkörper wie immer verboten waren. Zum anderen waren aber auch nach Angaben der Veranstalter etwas weniger Menschen gekommen als am Sonnabend. Beim Schlusspfiff wurde das Bangen nach dem Anschlusstreffer der Holländer durch frenetischen Jubel abgelöst. Von der Hauptbühne wurde eine rot-weiße Konfettiwolke abgefeuert. Einige etwa 15-jährige Jungs hatten schon zehn Minuten vor Ende des Spiels begonnen, in einer leeren Ecke der Fanmeile, selbst zu kicken. "Deutschland gewinnt sowieso", erklärten sie.

Nach Ende des Spiels fanden auch diesmal wieder Autokorsos und spontane Straßenpartys statt. Wie am Sonnabend wurde am heftigsten auf dem Ku'damm und in der Schönhauser Allee gefeiert.

Sehen Sie hier ein Video von der Fanmeile in Charkiw:

Rund um den Joachimsthaler Platz fanden die Anwohner auch in dieser Nacht erst spät Ruhe. Um kurz vor Mitternacht schlossen sich immer noch neue Autos der Parade an, das Hupkonzert flaute über lange Zeit nicht ab. Die Polizei hatte den Ku'damm jedoch zeitig abgeriegelt, da dort zu viele Fußgänger unterwegs waren. Die von Westen kommenden Autos wurden in die Meinekestraße umgeleitet. In der Lietzenburger Straße verlief sich der Korso schließlich. Im Umfeld des Ku'damms kam es jedoch noch lange zu Staus. An der Joachimsthaler Straße brannten zwischen 700 und 1000 Personen Feuerwerkskörper ab, die Polizei nahm einige Personen fest, nach Mitternacht beruhigte sich die Lage. Gefeiert wurde auch in Spandau und in der Schönhauser Allee, die bereits unmittelbar nach Spielende von Fans bevölkert war. Während die meisten friedlich feierten, blockierten einige die Straße, so dass weder Autos noch Straßenbahnen durchkamen.

Sehen Sie hier Bilder von der Berliner Fanmeile:

Etwa hundert Leute riefen "Ostberlin" und feuerten Pyrotechnik ab. Passanten und Beobachter machten einen großen Bogen um die fast ausschließlich aus Männern bestehende Gruppe. Die Polizei war schnell vor Ort, wie eine Tagesspiegel-Mitarbeiterin berichtete. Um kurz vor Mitternacht wurden schließlich die letzten hartnäckigen Störer von der Polizei weggetragen.

Ein Polizeisprecher sagte, man sei "stadtweit auf Jubelfeiern im Einsatz", über die genaue Zahl der Festnahmen könne man erst am Donnerstag Auskunft geben. Es habe aber wie schon am Sonnabend Beleidigungen und auch Körperverletzungen gegeben. Die Feuerwehr verzeichnete etwa ein Dutzend Rettungseinsätze auf der Fanmeile. (mit dapd)

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